1. März 2018 Stefan Watzinger

Vero – Hype oder the next big thing?

Ohne Algorithmen - ohne Werbung - dafür mit echten Performance-Problemen

Vero – “das Wahre” – könnte das nächste große Ding in der Social Network-Welt werden. Gehyped von Influencern, die sich genervt von Werbung von Instagram und Facebook abwenden, schießen die Downloads der App im iTunes-Store und im Google Play Store in die Höhe. Und das bei einer App, die bereits seit 2015 mehr oder weniger beachtet verfügbar ist. Die Frage ist: Wie gut ist Vero wirklich – und killen die aufgrund des katapultartigen Wachstums aufkeimenden Performance-Probleme den Hype, bevor er zum Mainstream geworden ist?

Was Vero kann 

Auf den ersten Blick hat Vero großes Potenzial und viele Features. Anders als bei Facebook und Instagram bestimmt nicht ein Algorithmus, was der Nutzer sieht, sondern er sieht alles, was seine Freunde teilen. Und das in chronologischer Reihenfolge. Vom Foto über Bücher, Musik, Filme, Links zu Artikeln oder Produkten. Und für alles, was der Nutzer teilt, kann er gleich noch festlegen, welche seiner drei Freunde-Kategorien diese Inhalte sehen sollen – vom “engen Freund” über die “Bekannten” bis hin zu den “Followern”. Und noch etwas ist anders als bei Facebook und Co.: Der Service bleibt werbefrei und soll für die erste Million Nutzer zudem gratis sein – erst danach werde es ein kostenpflichtiges Jahresabonnement geben, mit der die Plattform “supported” werden soll* – so Ayman Hariri, der Geldgeber und Gründer der App. Hariri – seines Zeichens milliardenschwerer Unternehmer aus dem Libanon – gibt als Motivation für Vero an, er sei frustriert gewesen von der Art und Weise, mit der die Zuckerbergs dieser Welt mit ihren Usern umgingen – deswegen wolle er nicht Teil des “Systems” sein. In wieweit dies ein frommer Wunsch bleibt – und ab wann die Verlockung oder der Zwang des Geldverdienens doch obsiegt, bleibt abzuwarten.

Immerhin: Laut der Terms of Service wirkt Vero auf den ersten Blick nicht wie die anderen Datenkraken Facebook, Instagram und Co. sondern durchaus fair – so bleibt das Recht am eigenen Bild immer beim Nutzer und auch eine Weiterverwendung erfolgt nicht. Einige User stören sich allerdings daran, dass bei der Anmeldung zwingend eine Mobilnummer angegeben werden muss – Hariri argumentiert dahingehend, dass diese schwerer zu faken sei als eine Mail-Adresse – aber hey, das ist bei Whatsapp ja genau so!

Was Vero (noch) nicht kann

An sich sieht Vero ganz cool aus. Doch das schöne Logo und das edle Design ist nicht nur Geschmacksache – vielmehr hilft eine schöne Anmutung herzlich wenig, wenn die App (möglicherweise durch das große User-Wachstum) unter echten Performance-Problemen leidet. Oder anders: Vero friert ständig ein, lädt nicht oder schmiert einfach ganz ab. Dazu passt, dass die App im iTunes Store mit nur 2,5 von 5 Sternen bewertet wird – dies aber bei 835 Bewertungen. Und wenn man ein wenig in die App “eintaucht” fällt die zum Teil frickelige und gar nicht so übersichtliche Bedienung der vielen Features auf. Okay, wenn man sich erstmal reingefuchst hat, geht’s – aber in Sachen Usability besteht dennoch Luft nach oben.

Hype oder Zukunft?

Ob Vero tatsächlich das Zeug hat, einen echten Angriff auf Facebook zu fahren ist schwer zu sagen. Möglich wäre auch, dass Vero eine Nischen-App wie z.B.  Threema bleibt oder regional zumindest auf Augenhöhe mit den “großen Fischen” agiert wie z.B. WeeChat oder Line. Allerdings müssen die Macher der App zuallererst die Performance-Probleme beseitigen, sodass die App stabil läuft. Und Vero muss es schaffen, langfristig unter den Top 6 Apps wie Mail, Telefonbuch, Facebook, Whatsapp etc. zu landen, die von den Nutzern überhaupt regelmäßig genutzt werden. Denn laut einer Studie von YouGov nutzen 47% der Smartphone-User maximal 6 Apps regelmäßig, 7 Apps und mehr nutzen nur noch wenige User. Und last but not least stellt sich die Frage, wie lange Facebook zuschaut – bzw. ab welcher monetären Grenze Ayman Hariri vielleicht doch schwach wird.


* inzwischen hat Vero übrigens die Grenze von 1.000.000 Usern geknackt – bleibt aber “until further notice” kostenfrei.

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About the Author

Stefan Watzinger
Stefan Watzinger Stefan Watzinger studierte Biologie an der Universität Heidelberg und wagte nach seinem Diplom den Quereinstieg in die Bereiche Kommunikation und Marketing. Seit 2009 ist er als PR-Berater bei der impact Agentur für Kommunikation GmbH tätig. Als Senior-Berater leitet er dort die Bereiche Neugeschäft, Konzeption und Social Media.

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