21. März 2014 Melanie Columbus

Facebook wird mobil – nur die Apps nicht?

Drei Lösungsansätze für Tab-Apps - und ein Ausblick in die Zukunft

Die Smartphone-Nutzung steigt auch in Deutschland weiter an. Mehr als 60% der Deutschen besitzen laut Nielsen bereits ein internetfähiges Handy. Wie sehr der permanente Zugang zum Internet unsere Kommunikation verändert, zeigt auch der vor einem Monat abgewickelte Whats-App-Deal. Auch auf Facebook spiegelt sich dieser Trend wieder: Wie die letzten Quartalszahlen belegen, nutzt jeder fünfte der mehr als 18. Millionen deutschen User Facebook ausschließlich mobil! Tendenz steigend.

Jeder fünfte User nutzt Facebook ausschließlich mobil - Quelle: Statista

Jeder fünfte User nutzt Facebook ausschließlich mobil – Quelle: Statista

Auch in Bezug auf unsere Social Media-Dienstleistungen ergibt sich durch diese Entwicklung konkreter Handlungsbedarf – von den Standards wie das Anpassen von Bildformaten und Optimieren von Texten mal abgesehen.

Wo besteht Handlungsbedarf?

Herkömmliche entwickelte Facebook-Tab-Apps sind zunächst nicht auf eine mobile Nutzung ausgelegt. Dies hat zur Folge, dass der User beim Klick auf einen Link zur nicht-mobilfähigen App auf folgende Fehlermeldung weitergeleitet wird:

Fehlermeldung beim Aufruf einer nicht-mobiltauglichen Tab-App per Smartphone

Fehlermeldung beim Aufruf einer nicht-mobiltauglichen Tab-App per Smartphone

Diese Fehlermeldung suggeriert dem User allerdings, die App existiere gar nicht. Ein Hinweis darauf, dass diese nur nicht auf seinem Smartphone angezeigt werden kann, fehlt. Enttäuschte Fanreaktionen sind die Folge. Viel gravierender ist allerdings der durch die fehlende Mobil-Kompatibilität bedingte massive Reichweitenschwund: Je nach Kernzielgruppe der jeweiligen Facebook-Seite und der daraus resultierenden „Smartphone-Quote“ verlieren wir im schlimmsten Fall 15 bis 25% der User.

Drei Lösungen aus der Praxis

Für ein bestmögliches Ausschöpfen des Reichweitenpotentials bieten sich verschiedenene Lösungsansätze an:

  1. Klarer Hinweis auf fehlende Mobil-Tauglichkeit der App
    Im Rahmen der redaktionellen Posts wird bei dieser Variante darauf hingewiesen, dass eine App nicht mit Mobilgeräten erreichbar ist: „Liebe Smartphone-User, leider funktioniert diese App nur an eurem Desktop oder Notebook!“
  2. Teillösung: Keine mobile App, aber ein personalisierter Hinweis
    Hier wird eine Weiche vorgeschaltet, welche zwischen mobilen Endgeräten und Desktop-Computer unterscheidet. Der mobile Fan wird auf eine „Fall-Back-Seite“ weitergeleitet. Dort erwartet ihn ein personalisierter Hinweis darauf, dass die Applikation leider nicht auf mobilen Endgeräten verfügbar ist.

    1. Vorteil: Freie Designmöglichkeiten ermöglichen ein Auffangen der User im eigenen CI-Branding. Zusätzlich kann ein Backlink dafür sorgen, dass der User zurück auf die Facebook Fanpage oder zu einer informativen Landing-Page mit zusätzlichen Informationen geführt wird.
    2. Nutzen: Freundlicher Hinweis für den Nutzer anstelle einer unpersönlichen Fehlermeldung.
    3. Ergebnis: Weniger Frustration bei den Fans und senken des Shitstorm Potentials.
    4. Mehraufwand: Ca. zwei bis drei Stunden bei der Programmierung.
  3. “Große” Lösung für beide Varianten: Mobile und Desktop
    Auch hier wird bei der Programmierung eine Weiche eingebaut, die den User direkt auf die jeweils richtige Darstellungsform leitet. Desktop-Anwender können wie gewohnt über die Tab-Anwendung an einer Aktion teilnehmen. Die Mobil-Nutzer werden zu einer mobilfähigen Microsite weitergeleitet.

    1. Vorteil: Mit dieser Variante werden verschiedene Kanäle vernetzt und man steigert seine Bekanntheit auch außerhalb von Facebook. Hier ermöglicht der Einsatz von Google-Analytics eine genaue Messung der Teilnehmerdetails.
    2. Nutzen: Sorgt für einen reibungslosen Ablauf und zufriedene Fans, welche die Facebook-Inhalte auch mobil voll ausnutzen können. Zudem können hier zusätzliche Teilnehmer generiert werden – auch außerhalb von Facebook.
    3. Ergebnis: Signifikante Reichweitenerhöhung und gesteigerte Fan-Aktivierung.
    4. Mehraufwand: Ca. 50 bis 60 Prozent bei der Programmierung.

Wohin geht die Reise?

Die von uns aufgezeigten Lösungsansätze bilden nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten für mobile Anwendungen in Social Media ab. Gemeinsam mit dem Kunden bedarfsgerechte Lösungen auch unabhängig von Facebook zu entwickeln ist definitiv der Königsweg. 

Schöne bunte Mobile-Welt - Bild von Jason A. Howie (CC BY 2.0)

Schöne bunte Mobile-Welt – Bild von Jason A. Howie (CC BY 2.0)

Betrachtet man die Entwicklung im wichtigsten Social Network Facebook, so ist sehr verwunderlich, dass dort bislang keine mobile Lösung für Tab-Apps implementiert hat. Dies auch im Kontext, dass Facebook im Ad-Bereich massiv das Thema Mobile ausbaut. Fakt ist, dass die Gewichtung von App-Tabs mit jedem Re-Design der Facebook-Timelines zurückgeht. Im neuen Timeline-Layout wandern die Links und Icons zu den Tab-Apps jedenfalls schon aus dem sichtbaren Bereich und sind nur noch mit Scrollen über einen “more”-Link erreichbar. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass es in absehbarer Zeit gar keine Facebook-Tab-Apps im eigentlichen Sinne mehr geben wird – und dass mobil-fähige Microsites zukünftig als Aktivierungsplattform für Gewinnspiele und Aktionen herhalten müssen.


 

Bildquelle: Social Media Apps – Jason A. Howie via flickr (CC BY 2.0)

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Kommentare (2)

  1. Stefan Watzinger

    Hallo Alexander, die “große Lösung” sind aus unserer Sicht integrierte Content-Strategien, bei denen Facebook “nur” einer von vielen Kanälen ist. Bezieht man “große Lösung” ausschließlich auf das Thema “Mobiltauglichkeit von Apps” ist es heutzutage die mobiltaugliche, externe Microsite auf die man dann mit Facebook verlinkt. Einziges Manko aus Community Manager-Sicht: Dadurch, dass es kein Fangate mehr gibt, kann man niemanden mehr dazu “zwingen” eine Facebook-Seite zu liken um an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Sprich: Man hat es immer mit einem gewissen Streuverlust zu tun.

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