Die Rückkehr des Deppen Leerzeichens

Oder: Traut euch - "Leerzeichen in Komposita" sind keine Krankheit!

Performance Verbesserungen. Johannisbeer Schorle. Wetter Vorhersage – Wahn Sinn! Wir werden überflutet. Von Deppenleerzeichen. Der hässliche große Bruder des Deppenapostrophs (AGB’s, freitag’s…) ist überall. Egal ob im Supermarkt, auf der Litfaßsäule oder sogar in den Namen von Veranstaltungsorten oder öffentlichen Plätzen – Schiller Theater, Friedrich Ebert Platz: Die Inflation der Bindestriche schreitet fort.

Mittlerweile füllen die Deppenleerzeichen ganze Bildergalerien – wie zum Beispiel auf deppenleerzeichen.info – oder werden von Linguisten kritisch diskutiert. Die neue Rechtschreibung jedenfalls trägt jetzt nicht unbedingt dazu bei, dass Zusammenschreibung und Bindestriche ihren festen Platz in der deutschen Sprache bekommen – denn immerhin heißt es seit 1996 nicht mehr „radfahren“ sondern „Rad fahren“.  Weiterlesen

Bounce-Rate, Referer, Session – Google Analytics richtig deuten

Oder: Interpretationsspielraum als Fehlerquelle
Google Analytics

Google Analytics ist zweifelsohne ein großartiges Tool, wenn es darum geht, die Statistiken einer Webseite und damit auch den grundsätzlichen Erfolg einer Page zu überwachen. Google Analytics ist kostenlos, hat einen immensen Funktionsumfang, ist kinderleicht einzubauen und gibt einem direkt das Gefühl, sich zum fähigen Web-Analysten entwickelt zu haben. Aber genau da liegt das Problem: So simpel ist das Tool eben doch nicht – und die Übersetzung von der englischen zur deutschen Version ist zum Teil irreführend und wenig korrekt. Hier eine kleine Auswahl von Missverständnissen, auf die wir immer wieder treffen, wenn es um die Auswertung von Seitenstatistiken geht:  Weiterlesen

Der schmale Grat zwischen Fehlinformation, Desinformation – und fehlender Information

Oder: Drum prüfe, was du teilst! - gerade im postfaktischen Zeitalter!

die-partei-a2-inhalte-ueberwinden-zusammenhaenge-aufloesenImmer wieder stoße ich derzeit in sozialen Netzwerken auf geteilte Beiträge, bei deren Headline eigentlich jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein müsste, dass da was nicht stimmt. Gefühlt hat dies zugenommen – von rechter Hetze über skurrile Verschwörungstheorien bis hin zu eindeutig tendenziöser Berichterstattung ist alles dabei. Fehlinformationen wie die angebliche Trump-Vorhersage der Simpsons oder um Alien-DNA in Meteoriten sind da noch wirklich harmlos. Nun mag man sich darüber wundern, dass dem so ist – ich persönlich sehe allerdings eine echte Gefahr, die sich aus dem Sammelsurium an Fehlinformation und Desinformation entwickelt: In dem Moment, in dem Meldungen gar nicht mehr überprüft, hinterfragt – oder im schlimmsten Fall gar nicht gelesen werden – ist es ein Einfaches, die mediale Agenda gezielt zu manipulieren. Donald Trump ist ein gutes Beispiel dafür, wie man populistische Manipulation zur Erreichung eigener Ziele nutzen kann – und auch diverse politische Kräfte in Deutschland verstehen sich wunderbar darin, gezielte Desinformation als Mittel zur Bauernfängerei einzusetzen.

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Trump-Wahl: Die Simpsons haben’s vorausgesagt! …wirklich?

Oder: Warum es sinnvoll sein kann, Tweets zu checken bevor man sie als Quelle verwendet...

Zugegeben, ich bin ein großer Simpsons-Fan! Die Comic-Clips rund um die gelbhäutige Familie aus Springfield haben es mir seit meiner Jugend sehr angetan. Den Mix aus Gaga-Humor, Satire und einem durchaus kritischen Blick auf die US-amerikanische Bevölkerung halte ich z.T. für wirklich genial. Wer die Simpsons kennt weiß, dass immer mal wieder reale Persönlichkeiten in die Handlungen eingebunden werden – von kleinen Seitenhieben und Andeutungen bis hin zu „Gastauftritten“. Auch US-Präsidenten kommen vor – so zieht in einer Folge George W. Bush in die Villa gegenüber ein. Seit einigen Tagen taucht immer mal wieder das Gerücht auf, die Simpsons hätten im Jahr 2000 bereits die Wahl von Donald Trump vorhergesagt – dies kombiniert mit Screenshots aus der Serie. Allerdings stimmt die Berichterstattung – auf die mittlerweile sogar FAZ Online aufgesprungen ist – nur zum Teil.  Weiterlesen

Titan Kahn löst Shitstorm aus

Oder: Spiele nicht mit den Erwartungen deiner Fans!

oliver-kahn-406393_960_720Oliver Kahn ist zurück! Aber anders als erwartet wird er weder eine Rolle beim FC Bayern München übernehmen noch zum Karlsruher SC zurückkehren. Was mit einem Countdown und Posts auf der Facebook-Seite des ehemaligen Torwart-Superstars begann endet in einem Shitstorm enttäuschter und erboster Fans. Und ganz ehrlich? Das war irgendwie gar nicht anders zu erwarten wenn man mit den Erwartungen und Wünschen von Fans spielt.

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#Fail Episode 4: Geiz ist geil im Hause Holsten

Oder: Come on, Holsten - das könnt ihr besser!

bild-gegen-bierIn unserer Serie #Fail zeigen wir in unregelmäßigen Abständen kleinere und größere Missgeschicke aus dem Social Web. Heute erwischt es die Holsten-Brauerei mit einem wirklich „schönen“ Community Management Fauxpas.

Da bietet ein Fan ein Tauschgeschäft „Bild gegen Bier“ an – und Holsten wiegelt mit den Worten „netter Versuch“ ab. Nun ja, kann man so machen. Das Wording ist vielleicht ein wenig flapsig, aber wir kennen ja unsere Abgreifer-Pappenheimer, die jeden Tag stundenlang das Social Web auf der Suche nach Gratis-Produktproben abgrasen und vollspammen. Frei nach dem Motto „Könnte mir gefallen + schmecken!!!“ (Insider…)

Vier Monate später war man dann wohl auf der Suche nach „geilen Bildern“ und stieß dabei auf das bereits vor Monaten vom Fan Boris Damien Abdul Alhazred eingereichte Foto. Offenbar ohne zu lesen, dass es bereits einen Chatverlauf dazu gibt. Denn Holsten schlug nun vor, das Bild gegen Quellen-Nennung auf der Holsten-Seite zu veröffentlichen. Und natürlich lehnte der Fan ab – mit einem Verweis auf sein bereits vor Monaten vorgeschlagenes Tauschgeschäft. Anstatt jetzt mal ein Sixpack klarzumachen, lehnte Holsten erneut ab – mit dem ziemlich arrogant wirkenden Hinweis „wir haben genug andere“. Autsch.

Bereits bei der 1. Reaktion könnte man schon sagen „nun ja, ein wenig knausrig“ – aber die 2. Aktion des Community-Managements der Firma Holsten ist dann mal wirklich ein Schuss in den Ofen und schlägt bereits jetzt – nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung des Chats durch den User – hohe Wellen.

Die Quizfrage ist ja: Gibt es im Hause Holsten einen Biernotstand, von dem wir nichts wissen? Oder eine Social Media Guideline, die besagt „Es wird kein Sixpack Bier an Fans verschenkt. Unter gar keinen Umständen!“? Man weiß es nicht – aber das Verhalten des Holsten Community-Managements hat sich einen Eintrag in unserer #Fail-Reihe redlich verdient.

Der gesamte Dialog liest sich so:

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Social Media Landkarte 2016 – das Social Web-Kondensat

Platzhirsche und Neuankömmlinge auf einem Blick

Social-Media-Map-2016In Zeiten der Digitalisierung gibt es mehr oder weniger täglich neue Tools, Plattformen und Formate. So schnell wie eine Plattform entsteht, verschwindet sie wieder – oder wird von den Big Playern aufgekauft. Die Social Media Landkarte 2016 der Agentur Overdrive Interactive gibt einen wirklich guten Überblick über die wichtigsten Webseiten, Mobile Apps sowie Tools & Platformen – vom Fitness-Network pumpup über Livestreaming-Angebote wie meerkat bis hin zu den Platzhirschen Facebook oder YouTube:

Spannend an der Map ist nicht nur die Fülle an Möglichkeiten. Vielmehr fallen Nebenkategorien auf, die man noch gar nicht so auf dem Schirm hat wie z.B. Social Recruiting Networks (indeed, upwork und Co.). Zudem bietet die App eine ganze Menge an Denk-Ansätzen: Welche Plattform wird sich zum Beispiel im Bereich Livestreaming durchsetzen? Facebook live? Youtube live? Oder doch Periscope? Und was ist „the next big thing“?

Das PDF-Dokument mit klickbaren Links gibt es hier zum download – wir finden: Es lohnt sich!

Kreativität – die richtige Balance aus Konstruktion und Destruktivität

Oder: Auf der Suche nach dem Geistesblitz

neuronales-netzwerkVor dem Hintergrund der ständigen Reizüberflutung gewinnt die Kreativität zunehmend an Bedeutung. Relevanz ist der zentrale Erfolgsfaktor. Und damit auch Kreativität. Denn am Ende sind es kreative Ideen, die aus der Kackophonie an Clips, Bildern, Texten etc. herausstechen. Bei allen Diskussionen, welche Rahmenbedingungen Kreativität begünstigen, stellt sich die Frage: Was ist Kreativität eigentlich? Jetzt mal so ganz wissenschaftlich betrachtet?

Dr. Viktor Frankl, ein österreichischer Neurologe, hat einmal gesagt:

Ein kreativer Mensch ist primitiver und kultivierter, destruktiver und konstruktiver, sehr viel verrückter und sehr viel vernünftiger als der Durchschnittsmensch.

und ordnet Kreativitäts-Forschung damit irgendwo zwischen Neuro- und Verhaltensbiologie und Psychologie ein. Und das durchaus mit Recht – denn wenn man „Kreativität“ betrachtet kommen ganz unterschiedliche Wissenschaftszweige zusammen.   Weiterlesen

#shorty: Jetzt viral bei Instagram: Leidende Männer

"Miserable Men" zeigt die deprimierende Realität von Männern, deren Frau sich gerade im Shopping-Wahn befindet

Es sind tragische Bilder, die im Instagram-Account @miserable_men Tag für Tag gepostet werden. Sie zeigen leidende Männer. Traurige Männer. Einsame Männer. Allein gelassen zwischen Schuhkartons, Handtaschen und Auslegeware. Gepeinigt und gequält in den wenigen freien Stunden, die der Alltag ihnen noch so lässt. @miserable_men zeigt Männer aus aller Welt, die unter Vorspielung falscher Tatsachen („Ich will eigentlich gar nichts bestimmtes einkaufen“) von ihren Frauen in den nächsten Shopping-Tempel gelockt wurden. Und ist damit ungemein erfolgreich – inzwischen folgen über 238.000 User den Stream, der primär aus den Einsendungen seiner Abonnenten bestückt wird.  Weiterlesen

Wie Politik und Medien „5 Jahre Fukushima“ für Meinungsmache missbrauchen

Oder: Stop it, hypocrites!

12805886_10205954287242893_8565686673135397007_nBeginnen wir mit den Fakten: Am 11. März 2011 kam es vor der Ostküste Japans zu einem schweren Seebeben der Stärke 9,0. dieses Beben löste einen Tsunami aus, der einen Teil der Sanriku-Küste verwüstete und 19.418 Menschen in den Tod riss. 2.592 Menschen gelten bis heute als vermisst. Über 120.000 Häuser wurden zerstört.

Der Tsunami überrollte auch Teile des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, bei dem es bereits in direkter Folge des Erdbebens zu Stromausfällen gekommen war. An den folgenden fünf Tagen kam es dann zu einer Serie von Unfällen sowie zur Kernschmelze. Alle Störfälle zusammen wurden am 12. April 2011 durch die japanische Atomaufsichtsbehörde der INES-Stufe 7 zugeorndet, dies entspricht einem „Größten anzunehmenden Unfall“ (GAU). Durch die Explosionen in und um die Reaktorblöcke gab es keine Todesopfer. Heißt: Es gab de facto keine Atom-Toten!

Zum fünften Mal hat sich das Tohoku-Beben am Freitag gejährt – und wie bereits in den vergangenen Jahren haben Medien und Politik offenbar immer noch nicht verstanden, was 2011 in Japan passiert ist. Oder – und das ist vermutlich der wahrscheinlichere Grund: Medien und Politik sind sich nicht zu schade, fünf Jahre Fukushima für perfide Meinungsmache zu missbrauchen.  Weiterlesen