Selbstgemacht – ein soziales Schutzschild

Mit Bezahlung und Professionalität kommt die Kritik

Selbstgemacht! Vorige Woche wollte ich etwas loswerden und habe es über die facebook-Gruppe Free your Stuff Frankfurt verschenkt. Die Beschenkte hat sich bedankt – leider mit einem Riesenglas selbstgemachter Marmelade: Apfel-Zucchini. Shit. Selbstgekauftes kann man ablehnen, Selbstgemachtes nicht. Es hat diesen Heiligenschein von liebevoll.

Ist es dann auch noch toll selbstgemacht – wie vom Profi –, vielleicht sogar experimentell kreativ, dann gilt das als eins der kleinen Weltwunder. Supertalent-Stoff.

Bei Selbstgemachtem verzeihen wir auch Macken. Grammatikfehler oder Dellen im Dekor – alles kein Problem.Die Assoziations-Spirale ist seit Jahren eine Runde weitergedreht: Professionelles gibt sich den Anschein des Dilettantischen, baut mit Absicht kleine Fehler ein um den Charme des Selbstgemachten abzustauben. Denn das gibt einem so ein heimeliges Gefühl von persönlicher Beziehung und Geschichte. Weiterlesen

Splitter im Auge?

Was rückt ein verrücktes Weltbild zurecht?

Wie Kay aus „Die Schneekönigin“: Wir halten vieles für schlecht, was tatsächlich gut ist und übertreiben bei Problemen. Gebannt von negativen Sensationen, vergessen wie die Normalität, treffen mit realitätsfremden Ängsten seltsame Entscheidungen – im Alltag und bei Wahlen. Brauchen wir, was sich per se ausschließt: Normalität in den Medien? Mehr Statistiken, mehr Alltagsberichte statt Sensationsmeldungen? Stinklangweilig? Eher faszinierend: „Die Welt in Zahlen“ von brand eins spielt seit Jahren mit der Kluft zwischen Erwartung und Realität. Der Leser ist erstaunt und top unterhalten. Und auf YouTube wirft sogar „Morgenroutine“ 145.000 Treffer aus – im Social Web feiert sich die Normalität ganz gut selbst. Weiterlesen

Outside the Bubble

Wen Kollege Roboter ersetzt, der flieht in die Vergangenheit

cubebot_vor_trumpEine Sehnsucht nach Vorgestern macht Politik – trotzig und aggressiv. Sie befällt die, die in der digitalisierten Lebenswelt keinen Platz für sich sehen und richtet sich in den USA gerade auf einen hemdsärmeligen Mann, der „hard-working Americans“ anspricht. Harte Arbeit – dabei denken wir zwar auch an Berufe wie Krankenpfleger, vor allem aber an viele, die es dank Automatisierung kaum noch gibt. Roboter schweißen, kleben und montieren in der Autoindustrie; Menschen braucht sie kaum noch und auch „Fleißarbeit“ ist – begleitet von „stupide“ – zum Schimpfwort geworden. Das können Maschinen. Jeder zweite Arbeitsplatz soll in den nächsten zwanzig Jahren automatisiert werden können. Seit Ende Oktober spuckt der Job-Futuromat der ARD-Themenreihe „Zukunft der Arbeit“ aus, wie viel Prozent eines Jobs schon jetzt ein Roboter machen könnte: Der des Bürokaufmanns liegt hier bei 67 Prozent, PR ist mit 17 bis 20 Prozent angegeben. Aktuell könnte jeder dritte Beruf zu 50 bis 100 Prozent von Maschinen ausgeführt werden – und nicht nur alte. Wer sich durch Automatisierung in seinem Wert herabgesetzt sieht, den packt leicht die Sehnsucht nach dem Vorgestrigen, vielleicht auch danach, durch Geburt zu den Wertvollen zu zählen und nach einer Wirtschaft und Politikern, die sie verstehen. Weiterlesen

Die Headline: Cliffhanger oder Info?

Wie Überschriften wirken – als Werbung für Artikel oder Service für die Leser

Kurz und klar, prägnant und pointiert: das ist die perfekte Überschrift – gewesen seit dem Clickbaiting von BuzzFeed.com, Heftig.co & Co? Die irre langen Headlines der Viral-Medien schaffen effizienter, was auch die knappe bewirken sollte: Wir klicken, lesen weiter. Ist das ein Grund, zumindest digital alte Regeln zu vergessen oder wird der User wahnsinnig, wenn er ständig Versprechen jagen kann, ihm aber keiner das Wichtigste direkt erzählt? Gibt es Bereiche, in denen die prägnante Form weiterhin unverzichtbar ist? Und wenn ja: Verlässt man sich beim Schreiben auf Regeln, auf sein Gefühl oder findet nur ein Test die beste Variante?

Bild via Flickr von Peter Rukavina (CC BY-ND 2.0).

Bild via Flickr von
Peter Rukavina (CC BY-ND 2.0).

Weiterlesen