15. März 2018 Angela Klemann

Take it and go! Einkaufen ganz ohne Kassen

Erste Testfiliale in Europa eröffnet - sieht so das Shopping der Zukunft aus?

Was haben ein Supermarkt im amerikanischen Seattle und ein Elektronikmarkt im österreichischen Innsbruck gemeinsam? Wahrscheinlich nicht viel, würde man auf den ersten Blick sagen. Andere Sprache, andere Artikel und ein komplett anderes Kauferlebnis. Wenn man aber genau hinschaut, findet man die Gemeinsamkeit schnell: Es gibt keine Kassen! Gar keine. Denn diese beiden Läden sind eine Innovation, eine Neuheit. Vielleicht die Zukunft? Shopping 2.0 – die Technik macht’s möglich! „Take what you want and go!” Die Vorreiter-Rolle hat der Supermarkt von „Amazon Go“ in Seattle und ein Elektronikmarkt in Innsbruck zieht gerade nach. Testphase nennt man es. Ist dieses Modell also auch in Deutschland vorstellbar?

So funktioniert’s in Innsbruck

Einkaufen – ohne an der Kasse zu bezahlen. In Deutschland gibt es das (bisher) nicht. Unsere Nachbarn in Österreich testen es gerade und wollen herausfinden, wie die Kunden darauf reagieren. Als erste Filiale überhaupt in Europa traut sich der Handelskonzern Saturn mit „Saturn Express“ an das kassenlose Experiment, geht das Risiko ein. Die Kunden gehen also durch die Gänge, nehmen ihre Kopfhörer, Handyhüllen, Bluetooth-Boxen oder Kaffeemaschinen aus dem Regal, scannen die Artikel mit ihrem Smartphone ein und verlassen den Laden. Fertig. Die Technik basiert auf RFID-Tags. Das sind die kleinen Chips an den Produkten, die eigentlich vor Diebstahl schützen sollen. Und damit ist die Ironie perfekt. Denn durch diese Chips und deren Barcode werden jetzt die Produkte gescannt und mobil per Paypal oder Kreditkarte bezahlt. Vorher muss man sich allerdings die App herunterladen und einloggen. Machbar? Ja! Was aber, wenn der Akku gerade leer ist? Oder wenn man gar kein Smartphone besitzt? Einige Innsbrucker ärgern sich jetzt schon, haben kein Handy und somit auch kein Kauferlebnis. Ob es auch wirklich eins ist, muss jeder selbst herausfinden. Denn einfach aus dem Laden heraus zu spazieren, „ohne an der Kasse zu zahlen“- an dieses Gefühl muss man sich auch erstmal gewöhnen…

„Shopping 2.0“ dank Smartphone: Ohne Handy geht nichts! Entweder braucht man es zum Registrieren am Eingang („Amazon Go“) oder zum Scannen der Artikel, die man kaufen möchte („Saturn Express“).

Kameras und Sensoren bei „Amazon Go“

Statt „Schlaflos in Seattle“, gibt’s „Kassenlos und bargeldlos in Seattle“ – und das schon seit Anfang 2018. Der Handelsriese Amazon hat das erste Geschäft überhaupt ohne Kassen eröffnet – ein Supermarkt, der frische Lebensmittel, Getränke, Snacks und Fertiggerichte anbietet. Jetzt ist er öffentlich für alle, nachdem ein Jahr lang nur die Mitarbeiter dort einkaufen durften. Also auch eine Art Testphase. Der Kunde registriert sich am Eingang mit seinem Smartphone, packt die Produkte in die Tasche und muss auch hier nicht mehr in der Schlange warten oder Geld aus der Tasche kramen, um zu bezahlen. Großer Unterschied: Amazon arbeitet mit Kameras und Sensoren. Der Mensch wird beim Videotracking als „3D-Objekt“ wahrgenommen, jede kleine Bewegung wird gefilmt. Dazu hat jeder Regalboden eine Waage. Das System registriert also, was der Kunde einkauft und bezahlt wird über’s Amazon Kundenkonto. Datenschutzrechtlich in den USA alles kein Problem – die Menschen geben ihre Daten wohl gerne preis und haben es dafür aber schnell und bequem.

Amazon is watching you! Beobachtet zu werden und sich bei jeder Bewegung filmen zu lassen wie im Supermarkt „Amazon Go“ – für viele Deutsche ist das zur Zeit (noch) undenkbar.

Shopping 2.0 auch in Deutschland?

Ob das amerikanische Modell auch bei uns in Europa mit dem Datenschutz vereinbar ist, bezweifeln Fachleute. Sich bei jeder Bewegung filmen zu lassen, beobachtet zu werden und seine Daten her zu geben ist für viele von uns nicht denkbar. Dazu auch noch das Umgewöhnen. Keine Kasse. Kein Schlange stehen. Kein Ärger? Etwas, das wir Deutschen ja eigentlich nicht mögen. Trotzdem: Weltweit wird gerade an ähnlichen Systemen getüftelt. Die Innsbrucker probieren es derweil mit der Handyvariante. Zumindest die, die ein Handy haben und sich auf Neues einlassen möchten. Bis Mai soll getestet werden. Danach wird „Saturn Express“ schon wieder eingestampft – außer der Erfolg ist überragend und die Innsbrucker sind begeistert vom kassenlosem Shopping. Eine gute PR-Strategie ist’s allemal. Einkaufen ohne Kassen: so ungewohnt, so innovativ. Wir sprechen auf jeden Fall darüber …

 

About the Author

Angela Klemann
Angela Klemann Angela Klemann verfügt über mehr als 10 Jahre Berufserfahrung im Journalismus- und Media-Business. Als ausgebildete Mediaberaterin, Redakteurin und Moderatorin für Radio, Fernsehen, Zeitung und Online hat sie sich im Laufe der Jahre auf den PR- und Kommunikationsbereich spezialisiert. Nach einem zweijährigen Auslandsaufenthalt in Philadelphia, USA, ist sie seit 2016 bei impact Agentur für Kommunikation als PR-Beraterin tätig und dort Ansprechpartnerin für Kunden aus der Beauty- und Lifestylebranche.

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