12. Februar 2018 Christian Vesper

Stockfotos – das Amazon der lokalen Geschäfte

Wie sich der Einzelhandel selbst schadet

Jeder kennt das Problem: die lokalen Geschäfte werden immer mehr von den Großkonzernen dieser Welt verdrängt, an der Spitze der beliebte Marktführer Amazon.

Als Bürger einer Kleinstadt ist es natürlich Ehrensache die lokalen Geschäfte zu unterstützen, weil ansonsten die Vielfalt der Stadt verloren gehen könnte und im schlimmsten Fall sogar das eigene Grundstück durch Abwanderung an Wert verliert. Theoretisch zumindest. Denn in der Praxis ist man dann doch oft geneigt, den schnellen Klick im Internet zu wählen. Schließlich bietet Amazon eine größere Auswahl als der kleine Tante Emma Laden von nebenan, der Preis ist unschlagbar und man bekommt die Ware auch noch direkt bis an die Haustür geliefert. Und was macht der Einzelhändler? Er schießt sich lieber selbst nochmal ins Knie.

Werbung für die Tonne

Fällt einem beispielsweise ein Flyer mit den neuesten Angeboten des örtlichen Bäckers in die Hände, versinkt er meistens in der Belanglosigkeit und damit umgehend im Papierkorb, denn wenn man tatsächlich mal einen Blick riskiert, erkennt man recht schnell, dass dieser Flyer mit Bildern aus bekannten Stockseiten oder schlimmstenfalls aus der Google-Bildersuche bestückt ist. Stockfotos sind wie Amazon: viel Auswahl, schnelle Verfügbarkeit und kostengünstig. Also eigentlich eine super Sache, oder?

Im Prinzip ja. Aber Stockfotos bergen auch einige Tücken. So wirken sie schnell billig, beliebig, austauschbar. Man würdigt sie keines zweiten Blickes. Und dass der örtliche Fotograf und der Grafiker von nebenan genauso auf faire Preise und zahlende Kundschaft angewiesen ist wie der Bäcker, der durch seine Handlungsweise, den billigen Anbieter zu bevorzugen, durchaus paradox agiert, ist natürlich auch nicht völlig unerheblich. Gut, wird der Bäcker einwerfen, Werbung kostet mich aber Geld. Geld, das ich nicht habe. Das mag auf der einen Seite verständlich klingen. Wo wenig Geld ist, kann auch wenig ausgegeben werden. Aber es ist, wie so oft, zu kurz gedacht.

Bilder als Visitenkarte

Gute Bilder sind das, was einem im Gedächtnis bleibt. Nicht das Stockfoto, das man schon in 5 Flyern, auf 12 Plakaten und 35 Websites gesehen hat, sondern das eine Bild, das authentisch, merkwürdig ist. Merkwürdig im Sinne von „es fällt mir auf, weil es anderes als die anderen Bilder ist“, merkwürdig im Sinne von „dieses Bild ist es würdig, dass ich es mir merke“. Dieses Gefühl geben einem nicht die Stockfotos, die man schon in jeglicher Variation gesehen hat, sondern die Bilder, die bei der Erstellung in Absprache mit Kunde und Fotograf entstanden sind. Die Bilder, die authentisch sind und eine eigene Geschichte erzählen.

Der Bäcker von nebenan kann nicht mit Preisdumping punkten, sehr wohl aber mit Kundenbindung und Authentizität. Indem er seine Produkte individuell fotografieren und in Szene setzen lässt, gewinnt er langfristig an Glaubwürdigkeit. Der erste Eindruck, in dem Fall die Printwerbung, suggeriert gleichzeitig einen Qualitätsstandard, den der Kunde unbewusst auf die Produkte überträgt. Nun liegt es an unserem Bäcker: Möchte ich in der Masse untergehen oder möchte ich bemerkenswert, merkwürdig sein?

About the Author

Christian Vesper
Christian Vesper Christian Vesper absolvierte seine Ausbildung zum Mediengestalter mit Schwerpunkt Gestaltung und Technik an der Gutenbergschule in Frankfurt. Seitdem sammelt er deutschlandweit Erfahrungen in den Bereichen Kampagnenbetreuung und Bildbearbeitung. Seit 2016 ist er Art Director der impact Agentur für Kommunikation GmbH.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.