26. September 2017 Esther Ritthoff

Künstliche Intelligenz: Die Content-Lösung der Zukunft?

Mehr Relevanz durch Personalisierung

Künstliche Intelligenz (KI) wird das gesamte Marketing stark verändern, so viel lässt sich schon jetzt erahnen. Der Hype ist groß, obwohl die Technologien noch am Anfang der denkbaren Möglichkeiten stehen. Die Entwicklung ist rasant und bereits jetzt bietet KI Möglichkeiten, Bedürfnisse von Stakeholdern besser zu verstehen und Marketingaktivitäten entsprechend darauf auszurichten. Auch in der Content-Kommunikation könnte künstliche Intelligenz schon bald ein nützliches Tool sein, um die Relevanz eines Themas für die Zielgruppe zu überprüfen und zu optimieren.

Storytelling in Zeiten des Content-Shocks

Content ist immer noch King, da ist sich die Werbe-Branche einig. Jeder will mitmischen und Marken übertreffen sich mit phantasievollem Storytelling rund um ihr Produkt: Nützliche Inhalte anbieten, Relevanz erzeugen, Interesse wecken. Die Kommunikationsmittel der Stunde sind Blogposts, Social-Media-Beiträge, Tutorials, Whitepaper usw. Die Folgen: Es gibt generell zu viel und vor allem leider auch immer mehr irrelevanten Content. Generische Inhalte ohne Nutzerbezug und Personalisierung sind immer mehr aufzufinden; erfolgsversprechend sind sie jedoch nicht und schlimmer: Sie führen zu einer Reizüberflutung beim Rezipienten. Der US-amerikanische Autor und Berater Mark Schaefer hat bereits 2014 in einem heftig diskutierten Artikel vor dem „Content-Shock“ gewarnt. Damit hat er die Problematik geschildert, dass durch zu viel Content die Aufmerksamkeit der Zielgruppe verloren geht.

Relevanz durch Personalisierung

Ist eine zielgenaue Identifizierung relevanter Themen mittels künstlicher Intelligenz der nächste Schritt? Denn darum geht es schließlich im Content-Marketing, um Relevanz. Nur wenn mich ein Thema wirklich interessiert, beschäftige ich mich damit. Ließe sich zumindest ein Teil der Inhalte mit Hilfe von künstlicher Intelligenz automatisieren, so könnte das mehr Kapazitäten für Strategie und den Kreativ-Prozess freilegen. Programme wie Natural Language Generation (NLG) erstellen beispielsweise schon jetzt selbstständige Textvarianten und bestimmen, welcher Wortlaut für die jeweilige Zielgruppe am besten funktioniert. Damit ist sichergestellt, dass die Inhalte tatsächlich zum Empfänger passen.

Durch KI-Systeme erstellte Inhalte sind bereits Realität in Online-Shops und in einigen Redaktionen. Die personalisierte Empfehlung von relevantem Content oder der Einsatz von digitalen Einkaufsberatern ist bei Unternehmen wie Amazon oder Zalando längst Routine. Die Conversion auf den Shop-Seiten wird damit deutlich verbessert. Automatische Textproduktion im redaktionellen Umfeld funktioniert am besten in den Bereichen, wo besonders viele messbare Größen und Zahlenwerte anfallen. In der Wirtschaft, beim Wetter oder im Sport. Bereits im März 2015 erschien auf der Onlineseite der New York Times ein Artikel zum Einfluss des Ortes, an dem man aufwächst auf die spätere Entwicklung im Leben. Wissenschaftler der Harvard-Universität hatten Dutzende Orte Amerikas entsprechend bewertet. Der Clou: Der Artikel wurde personalisiert ausgespielt und die Inhalte bezogen sich nur auf die jeweilige Region des Lesers. Dadurch gewannen die Inhalte natürlich deutlich an Relevanz.

Die Zielgruppenansprache der Zukunft: hyperpersonalisierter dynamischer Content

Auf dieselbe Weise kann auch Content-Marketing optimiert werden, also nur begrenzt auf die Situation und Intention des Rezipienten ausgespielt werden. Durch die Auswertung großer Datenmengen können Muster erkannt und Ereignisse vorhergesagt werden. So lässt sich herausfiltern, welche Inhalte ein Nutzer hilfreich finden wird, um ihm nur diese anzubieten. Auch in der Analyse von bereits produziertem Content kann KI über eine reine Rechtschreibprüfung hinaus nützlich sein. Denkbar ist zum Beispiel die automatische Übersetzung in verschiedene Sprachen, wie Facebook bereits testet (Posts werden automatisch in die passende Sprache des Nutzers übersetzt). Internationale Unternehmen könnten so effektiver Content generieren und für alle Sprachen ausspielen.

Die Zielgruppenansprache der Zukunft könnte also hyperpersonalisierter dynamischer Content sein, der jedem Nutzer basierend auf den vorhandenen Daten genau die Inhalte ausspielt, die relevant für ihn sind. Die entscheidende Basis dafür ist allerdings der intensive Zugriff auf persönliche Datenmengen der Nutzer. Dem gegenüber steht das natürliche Bedürfnis nach Privatsphäre. Wie schnell die Bereitschaft Informationen über sich preiszugeben, um den Komfort von Intelligenten Systemen zu nutzen, voranschreitet, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich werden sich aber mit der Zeit viele daran gewöhnen und sich freuen, wenn der Kühlschrank es endlich schafft, selbständig neue Milch zu bestellen.

 

Mehr zu diesem Thema:

http://therestlesscmo.com/artikel/kunstliche-intelligenz-im-marketing-fluch-oder-segen-fur-marketer

http://www.deutschlandfunkkultur.de/automatische-textproduktion-der-computer-als-sportjournalist.966.de.html?dram:article_id=327177

http://www.zeit.de/2015/22/roboter-journalismus-digitalisierung/seite-2

https://www.internetwarriors.de/blog/content-marketing-kuenstliche-intelligenz/

https://www.wuv.de/marketing/6_tipps_fuer_die_einfuehrung_von_ki_softwaretools_im_marketing

About the Author

Esther Ritthoff

Esther Ritthoff studierte BWL an der Universität Hamburg und entdeckte während des Studiums ihre Begeisterung für Public Relations und Kommunikation. Seit 2009 ist sie als PR-Beraterin bei der impact Agentur für Kommunikation GmbH am Standort Hamburg an Bord. Im Fokus ihrer Tätigkeit steht die strategische Beratung von Kunden aus der Lebensmittelindustrie, der Konsumgüterbranche und dem Bereich Sport-Events.

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