22. März 2017 Joel Schwander

Warum Facebook immer uninteressanter für Jugendliche wird

Ein 16 Jähriger spricht über seine digitalen Erfahrungen mit sozialen Netzwerken

Ich bin 16 Jahre alt, was bedeutet, dass ich schon ziemlich früh in Kontakt mit sozialen Medien kam. Doch bei mir war es nicht so früh wie bei den jetzigen Kids aus der ersten Klasse, die sich neben mir im Bus mit ihrem iPhone 6s auf Facebook Videos, mit wahrscheinlich einem besseren Handy-Vertrag als meinem, anschauen. Bei mir fing das alles in der fünften oder sechsten Klasse an.

Davor haben mir soziale Medien gar nichts gesagt, ich hatte höchstens mal „Facebook“ in den Logo-Nachrichten auf KiKa gehört, aber was das ist, wusste ich nicht.

Anfang der Mittelstufe gab es dann eine Veränderung aufgrund einer neuen Schule und deswegen neuer Mitschüler. „Hey man! Wollen wir uns mal verabreden?“ – „Klar, schreib mir einfach auf SchülerVZ!“. Ich stand ratlos da, doch dann erfuhr ich, dass die ganze Schule Mitglied war. Natürlich habe ich mich direkt dort angemeldet und war deswegen auch total aufgeregt. Die ganze Schule in einem Portal vernetzt und ich konnte mit meinen Freunden den ganzen Tag schreiben! Man wusste ab jetzt schnell über jeden Bescheid, aufgrund seines Profils oder seinen Posts. Ich wusste was für Musik der große Typ mit den coolen Klamotten drei Stufen über mir hört oder mit wem er seine Freizeit verbringt. Schnell danach kam bei uns dann der Hype um Facebook. SchülerVZ war schnell out und außerdem so kindlich. Das wollte man als 11-Jähriger natürlich nicht sein.

Einstieg in Facebook

Doch war Facebook nicht diese Seite, vor der man schon länger gewarnt wurde? Internet Mobbing war ein ganz großes Thema zu der Zeit. Meine Eltern waren skeptisch, als ich ihnen davon erzählte, ich durfte mich aber trotzdem anmelden. Viele von meinen Freunden durften das erstmal nicht, auch in der Schule wurde von Lehrkräften immer negativ darüber geredet und, dass wir aufpassen sollen wem wir was von uns freigeben. Diese Vorsicht war natürlich verständlich. Im Grunde war Facebook genau das gleiche wie SchülerVZ, nur cooler aufgemacht und es waren nicht nur Schüler. Es wurde schneller vernetzt von Schule zu Schule und man fand alte Freunde aus der Grundschule. In meiner Generation hat man in der Mittelstufe viel Zeit draußen verbracht und war nicht den ganzen Tag am Laptop oder am Handy, doch Facebook war irgendwann der Faktor, über den man sich verabredete. Was cool war und einen selbstverantwortlicher machte, da nicht mehr die Eltern dich mit deinen Freunden verabredeten, sondern du selbst nach der Schule deinem Kumpel schreiben konntest. In meinem Freundeskreis waren wir in Sachen Musik, Film und sonstigen trendigen Sachen immer up to date, was ich cool fand. Man konnte seinen Vorbildern und Helden folgen und sehen, was die den ganzen Tag so treiben. Dadurch steigerte sich bei meinen Freunden und mir schnell die Lust, selbst etwas kreatives zu machen.

YouTube-Videos waren sehr beliebt zu der Zeit, also fingen wir damit an, uns bei irgendwelchen Sachen zu filmen und schließlich hochzuladen. Das konnten wir schnell an alle Freunde über Facebook „sharen“ und am nächsten Tag hatten es sich die meisten Leute in der Schule angeschaut. So merkten wir schnell, dass wir alle in der Umgebung ganz einfach erreichen können. Klar war die Qualität nicht gut, was will man von 12-Jährigen erwarten? Doch wir machten weiter mit diesen Videos und durch das ganze Social Media Ding hatten wir das Gefühl, dass die ganze Welt sich diese Videos anschaut – war natürlich nicht so.

Facebook wird uninteressant

Facebook blieb cool für uns die ersten zwei Jahre, außerdem gab es nicht wirklich andere Plattformen. Instagram war noch ziemlich am Anfang. Jeder hatte es, aber keiner benutzte es so wirklich. In der achten Klasse war Facebook für uns schon lange Alltag, doch wirklich benutzt hat es keiner mehr. Ich selbst verbrachte nur noch Zeit auf Facebook, um mir Infos aus der Musikwelt zu holen, da ich mich schon immer für Musik interessiert habe. Instagram bekam gerade seinen Hype und auch ich begann öfters was zu posten, doch wirklich beschäftigt habe ich mich damit nicht. Fotos und Filter waren zwar cool, aber irgendwie packte es mich nicht.

Ich war schon immer ein Typ, der seine kreativen Sachen wie Musik oder Videos an die Leute bringen wollte. Da waren die sozialen Medien natürlich gut für und ich nutze sie auch heute noch, um Reichweite zu erlangen. Doch von Jahr zu Jahr wurde und wird es schwieriger, erst recht über Facebook. Irgendwann kam die Sponsoring-Funktion dazu, ohne die man heute eigentlich kaum eine Möglichkeit hat, viele Leute auf einmal zu erreichen. Außerdem ist Facebook nur noch voll mit diesen Sponsoring-Artikeln, auf die gefühlt eh keiner Lust hat oder du siehst in deinem News Feed nichts Anderes außer „Markiere jemanden…“-Bilder oder schrottige Videos.

Der Instagram-Hype beginnt

Also warum noch Zeit auf Facebook verbringen? Meine Neuigkeiten in Sachen Musik, Mode oder Kunst kann ich mir auch einfach auf Instagram anschauen und dort auch viel besser, interessanter und kreativer. In den letzten 2-3 Jahren ging es bei mir in der Umgebung so richtig mit Instagram los. Dieses Netzwerk benutzen mein Umkreis und ich auch heute noch am meisten. Ich nehme mir am Tag wirklich zweimal die Zeit den ganzen News Feed durchzuschauen, einfach, weil es mich interessiert. Man folgt den verschiedensten Personen, seien es Musiker, Schauspieler, Fotografen, Politiker oder Künstler. Aber auch – und das finde ich das Interessante – irgendwelchen Leuten, die man zufällig findet. Und man folgt ihnen, weil sie einen coolen und kreativen Feed haben. Das macht Instagram persönlich, jeder hat seinen eigenen Foto-Blog, in dem verschiedene Fotos und Videos aus dem jeweiligen Leben zu sehen sind.

Meistens sind die Feeds auch noch sehr kreativ und zusammenhängend, was es einfach spannend macht. Klar, kann es auch extrem anstrengend sein, man kann sich schnell drin verlieren und im Endeffekt saßt du zwei Stunden vor deinem Handy und hast einfach nichts gemacht. Trotzdem finde ich Instagram das angenehmste Portal der letzten zwei Jahre. Du siehst in deinem Feed nur das, was du sehen willst und von Leuten, denen du folgst. Dir wird nicht irgendein uninteressantes Video angezeigt, nur, weil ein Freund einen anderen Freund darauf markiert hat. Außerdem ist dein News Feed danach geordnet, was dir am meisten gefällt, was bedeutet, dass du die für dich relevanten Beiträge als erstes siehst. Deswegen ist Instagram auch besser für Künstler oder Blogger, um schneller eine Reichweite zu bekommen, allein auch durch die Hashtag-Funktion. Leute, die an einem bestimmten Bereich interessiert sind, finden dadurch schneller Leute, die das Gleiche machen. Doch in den letzten Monaten kam auch hier die Werbung dazu, die im Vergleich zu Facebook aber immer noch nicht so anstrengend und verbreitet ist.

Bestimmen soziale Netzwerke unseren Alltag?

Im Allgemeinen schaue ich jeden Tag mindestens zweimal in die sozialen Medien, doch sie stören mich auch. Ich würde es nicht unbedingt als Abhängigkeit beschreiben, aber irgendwie hat man den Drang immer mal reinzuschauen. Einfach weil man nichts verpassen will und es jede Stunde etwas Neues gibt. Es ist wahrscheinlich der Drang, immer auf dem neuesten Stand zu sein, was eigentlich total bescheuert ist. Man macht es aber trotzdem. Das Positive an den Medien ist das Erreichen von Leuten, was sich aber auch über die Jahre immer mehr erschwert hat. Natürlich kann ich nicht für alle Gleichaltrigen sprechen, aber für mich bestimmen die sozialen Netzwerke nicht meinen Alltag, aber sie sind 1 Teil vong Alltag her.

About the Author

Joel Schwander
Joel Schwander Joel Schwander besucht das berufliche Gymnasium der Brühlwiesen-Schule in Hofheim und macht sein Abitur mit Schwerpunkt Pädagogik und Psychologie. Zur Zeit absolviert er ein Schülerpraktikum bei impact und bringt neue Sichtweisen ins Digital-Team.

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