8. November 2016 Franziska Steinmann

US-Wahlkampf: Die Macht der Sozialen Medien

Oder: Was wird aus @POTUS und @FLOTUS

Pest oder Cholera, Oma oder Selfmade-Milliardär, Demokraten oder Republikaner, Clinton oder Trump…genau diese Fragen sind morgen beantwortet. Denn heute, am 8. November entscheiden die US-Amerikaner über die Nachfolge von Barack Obama und wählen den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Jetzt wäre ein Blick in die Zukunft mit Hilfe einer Kristallkugel wünschenswert – dies bleibt uns jedoch ‚leider‘ vorenthalten. Was wir bereits jetzt schon sicher sagen können ist, dass die Macht der Sozialen Medien im aktuellen US-Wahlkampf deutlich zugenommen hat.

Keine Wahl ohne Social Media

hillary-clinton_bild-1Der US-Wahlkampf wird längst nicht mehr nur im Fernsehen, in Zeitungen oder auf Bühnen ausgetragen. Sowohl Hillary Clinton (69) als auch Donald Trump (70) sind auf den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Snapchat präsent und nutzen diese, um ihre Wählerschaft zu informieren und mit Ihnen in Kontakt zu treten. So kommt @realDonaldTrump auf rund 13 Millionen Follower auf Twitter, seine Kontrahentin @HillaryClinton auf rund 10 Millionen. Eine beachtliche Anhängerschaft, wenn man diese mit den Followern (rund 630.000) von Steffen Seibert, dem Regierungssprecher von Angela Merkel, vergleicht.

Social Bots als Wahlkampfhelfer

Zugegeben, nicht alles ist Gold was glänzt. Laut dem Twitter Audit Report, sind rund vier Millionen Hillary-Clinton-Follower einfach nur Fake-Profile. Darunter zählen auch kleine Roboter, sogenannte Social Bots. Diese haben die Aufgabe, echte Twitter-Botschaften massenhaft in sozialen Medien zu verbreiten. Ziel ist es, schnell und kostengünstig ein großes Publikum zu erreichen.

 

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Donald Trump kommt auf rund fünf Millionen Fake-Profile und mehreren Millionen Bots. Dabei sind Social Bots nicht nur raffinierte Social-Media-Instrumente, sondern sie beeinflussen häufig auch die Meinungsbildung. Ein gefährliches Werkzeug, wenn es um die Wahl des mächtigsten Menschen der Welt geht.

Paris liegt in Deutschland

Sowohl Clinton als auch Trump wirken nicht gerade wie die typischen Social-Media-Profis, denen das Handeln auf Twitter und Facebook in Fleisch und Blut übergegangen ist. Frau Clinton hatte kürzlich ein paar Probleme mit privaten E-Mails. Auch der Immobilien-Tycoon bewegt sich häufig wie ein Elefant im Porzellanladen und beweist seine ausgezeichneten Geografie-Kenntnisse.

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Nichtsdestotrotz haben die Social-Media-Berater von Clinton und Trump meistens gute Arbeit geleistet. Mit seiner scheinbaren Authentizität und Nähe gibt Trump seinen Followern das Gefühl, dass er selbst der Autor von jeden einzelnen Tweets ist. Seien diese noch so beleidigend. Die etwas kühl-agierende Ex-First Lady wirkt hingegen in den Sozialen Medien unecht und oft vermisst man ihre eigene Handschrift.

POTUS und FLOTUS

Ein gutes Beispiel, zumindest in Bezug auf die sozialen Netzwerke, liefert der Noch-Präsident Barack Obama. Bereits bei seinem ersten Wahlkampf im Jahr 2008 nutzte Obama geschickt und sicher die sozialen Medien. Von seiner kurzen und einfachen Botschaft ‚Yes, we can‘ hat er sich in den letzten 8 Jahren zu einem Meister der Sozialen Medien gemausert. Sein privates Twitter-Konto @BarackObama hat eine stolze Anzahl von 80 Millionen Followern.

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Vier weitere Jahre: Der Tweet über seine Wiederwahl zum Präsidenten im Jahr 2012 ist der am schnellst verbreiteste und am dritt häufigsten geteilte Tweet der letzten zehn Jahre. Nur das bekannte Foto von Moderatorin Elle De Generes aus der Oscar-Nacht von 2014 und ein Tweet der britisch-irischen Boyband konnten sich vor den Obama-Tweet einreihen.

Erst im Mai 2015, nach sechs Jahren im Amt als Präsident erhielte er sein offizielles Nutzerkonto: @POTUS (President of the United States).

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Auch Michelle Obama lässt unter dem Twitter-Namen @FLOTUS, Akronym für ‚First Lady of the United States‘, die Follower an privaten Ereignissen teilhaben.

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Neben dem Abschuss-Code für Atomwaffen wird der ehemalige Präsident auch die Konten seiner sozialen Medien samt seiner elf Millionen Follower an seinen Nachfolger übergeben. Der neue Präsident wird dann eine leere Timeline vorfinden. Unter den Twitter-Namen @POTUS44 und @FLOTUS44 werden die Obamas jedoch weiterhin die Möglichkeit haben, über ihre privaten Twitter-Accounts wichtiges und unwichtiges mitzuteilen.

Was uns der Blick in die Zukunft mit Hilfe der Kristallkugel auch noch nicht verraten hat: Wie lautet der Twitter-Name von Bill Clinton, wenn seine Frau die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten wird? Etwa FMOTUS – First Man of the United States?

Wir dürfen gespannt sein.

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About the Author

Franziska Steinmann
Franziska Steinmann Franziska Steinmann studierte Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg. Ihre akademische Ausbildung schloss sie mit einem Master in ‚Public Relations and Advertising‘ an der University of New South Wales in Sydney, Australien ab. Nach einigen Praktika im Medien- und Kommunikationsbereich im In- und Ausland wechselte sie zur impact Agentur für Kommunikation GmbH, wo sie das Team im Bereich Food unterstützt.

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