31. Oktober 2016 Kim Remter

Die Angst vor den Horror-******

Medien in der Wettbewerbsfalle

Halloween – in den USA ein großes Event, für das viele ihre Vorgärten schon Wochen im Voraus schmücken, um den perfekten Grusel-Look zu kreieren. Es gibt schaurige Kostüm-Partys, Halloween-Editionen in den Supermärkten und vor allem die Kinder fiebern aufgeregt dem Tag entgegen, an dem sie endlich von Tür zu Tür ziehen und „trick or treat“ rufen dürfen. An erster Stelle steht dabei der Spaß. Ein bisschen gruseln gehört natürlich auch dazu, aber hier soll niemand zu Tode erschreckt werden – eigentlich…

Jedes Jahr kommt es leider vor, dass „Scherzbolde“ sich den Anlass zu Nutze machen und verkleidet als Horror-Clowns Menschen auflauern, sie bedrohen oder im schlimmsten Fall sogar verletzen. Ein bitterer Beigeschmack bei einem sonst so freudigen Fest. So viel zu den USA. Doch in diesem Jahr ist dieser makabere Trend auch zu uns nach Deutschland geschwappt. Aber warum gerade jetzt? Sind die Medien schuld daran?

Die Antwort lautet leider JA. Durch unzählige Berichte über die Horror-Clowns in den USA wurde der Hype und somit der Nachahmungseffekt bei uns erst richtig entfacht. Das Ganze ist zu einer medialen Kettenreaktion ausgeartet, denn auf immer mehr Nachahmer folgen auch immer mehr Berichte in den Medien, was wiederum noch mehr Nachahmer auf den Plan ruft – ein Teufelskreis, der erst endet, wenn der Hype nicht mehr mit neuen Geschichten gefüttert wird.

Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell sieht hier vor allem die klassischen Medien in der Verantwortung. Da das Phänomen Horror-Clowns nicht neu sei, hätten sie das Thema im Sinne einer aufklärerischen Berichterstattung früher aufgreifen und darauf hinweisen sollen, dass ein lustig gemeinter Scherz auch daneben gehen kann.
Stattdessen sind viele Medien in eine Wettbewerbsfalle geraten. „Die Clown-Streiche sind gefundenes Fressen, da sie hochgradig ‚shareable’ sind. Die Algorithmen der Plattformen von YouTube bis Facebook spielen dann auch perfekt mit“, so Social-Media-Expertin Judith Denkmayr. „Hypes haben eine lange Zeit eine sehr hohe Resonanzfähigkeit. Jeder Beitrag, jeder Artikel der klassischen Medien wird dann auch im Social Web geshared, kommentiert, es kommt Traffic über Suchmaschinen auf die eigenen Medienangebote.“

Traurige Wahrheit: Reichweite um jeden Preis scheint heutzutage an erster Stelle zu stehen. Ganz vorn mit dabei die „Horror-Clown PR-Kampagne“ auf Bild.de. Innerhalb von nur 48 Stunden wurden dort über 40 Online-Artikel zum Thema veröffentlicht und sogar ein eigener Live-Ticker für neue Horror-Meldungen eingerichtet. Mehr geht wirklich nicht.

bild-de-clowns

Bleibt nur zu hoffen, dass die Berichterstattung nach Halloween nachlässt und die Nachahmer weniger Aufmerksamkeit bekommen und somit keinen Anreiz haben, ihre „Horror-Streiche“ fortzuführen.

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About the Author

Kim Remter
Kim Remter Kim Remter studierte Kultur der Metropole an der HafenCity Universität in Hamburg und besuchte anschließend die Journalistenschule der Bauer Media Group. Nach Beendigung ihrer Ausbildung als Redakteurin wechselte sie die Seiten. Bei impact berät Kim Kunden aus dem Food und FMCG-Bereich.

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