18. Oktober 2016 Katharina Stoll

musical.ly – Influencer-Maschine auf der Überholspur

Oder: Wenn Snapchat nicht mehr hip genug ist

Mein Tipp für alle, die sich einmal richtig alt fühlen wollen: Schaut mal bei musical.ly vorbei! Das selbsterklärte „video social network“ auf App-Basis hat im letzten Jahr die Smartphones einer ebenso jungen wie begeisterten Zielgruppe erobert. Mit musical.ly lassen sich kurze, mit Musik hinterlegte, Videos kreieren, die man dann über alle bekannten Netzwerke mit seinen Freunden teilen kann.

Das macht musical.ly zu etwas Besonderem: Statt Bildern und Text gibt es Bewegtbild und Musik. Der eigene Content lebt von der Musik, die man auswählt. Das hat zur Folge, dass man sich nicht nur durch die Videos selbst, sondern auch durch ähnliche Musikvorlieben mit seinen Lieblings-Accounts verbunden fühlt. Musical.ly ist gemeinsames Tanzen auf einem sozialen Netzwerk, eine Online-Party für Teenies, bei der Erwachsene draußen bleiben müssen.

 

Influencer-Paradies musical.ly

Wer aber denkt, musical.ly sei eine reine Playback-App, der unterschätzt ihr Potenzial gewaltig: Denn mittlerweile gibt es musical.ly-User – kurz ‚Muser‘ – mit Millionen von Followern, die in Sachen Bekanntheit unter Teenies mit Instagrammern und YouTubern locker mithalten können. Obwohl sich auch die üblichen Verdächtigen wie Dagibee, Sami Slimani, Simon Desue & Co auf musical.ly herumtreiben, sind die Stars noch einmal deutlich jünger – darunter zum Beispiel Dagis kleine Schwester Lena, die auch schon ihre 100.000 Follower zusammen hat, aber auch viele Native Muser, die mit musical.ly groß geworden sind und andere Social Networks eher nebenher betreiben.

Weltweit führende Muserin ist Baby Ariel mit weit über 13 Millionen Followern auf musical.ly, 5 Millionen Followern auf Instagram, 1,7 Millionen Abos auf YouTube – und einem eigenen Online-Shop inklusive gebrandeten 15-Dollar-Lippenstiften in allen Trendfarben, die man sich nur wünschen kann.

Ein Shop von Teenies für Teenies (mit Geld).

Nummer 1 in Deutschland sind Lisa & Lena – Zwillinge, die auf gemeinsame Choreographien setzen und mit zahnspangenbewehrtem Lächeln mittlerweile auch über 10 Millionen Follower begeistert haben.

Und was machen diese Muser in ihren ‚Musicals‘, wenn sie nicht gerade vor tausenden kreischenden Teenies auftreten? Neben durchgetakteten Videos, die wie Musikvideos wirken (hier ein Beispiel des deutschen Damen-Duos), gibt es eine klassischere Herangehensweise: der Mund singt mit, eine Hand hält mit einem „Pop Socket“ genannten Saugnapfgriff das Handy und führt gekonnt kleine Kamerafahrten aus, während die andere zur Musik passende Gesten macht (hier demonstriert von Leonie, ebenfalls erfolgreiche deutsche Muserin).

Features für alle

Es lohnt sich, einige der musical.ly-Features genauer zu betrachten. Zum Beispiel können zwei Nutzer, die sich gegenseitig folgen, mit der „duet function“ ein Duett aufnehmen, auch wenn sie sich an völlig unterschiedlichen Orten befinden – eine Kooperation zwischen internationalen Musern wird problemlos möglich, während ‚normale‘ Nutzer Spaß mit Freunden haben können, die weiter weg wohnen. Ebenfalls definitiv auf Influencer ausgerichtet ist das „best fan forever“-Feature. Damit kann man einen Follower zum „best fan forever“ küren und auch ohne ihm zu folgen, gemeinsam ein Duett aufnehmen. Außerdem – keine App ohne Story-Modus – lassen sich bis zu 4 kürzere Videos zu längeren Stories zusammenfassen.

Ebenfalls Pflicht in allen gängigen sozialen Medien: die Verifizierung! Bei musical.ly kann man sich eine „crown“ verdienen und so zum Top-User werden. Dabei geht es nicht nur um Followerzahlen: musical.ly krönt nach eigenen Angaben auch User, deren Content besonders gut gemacht ist oder solche, die sozial sehr engagiert sind.

Ein Krönchen will verdient sein.

Ein Krönchen will verdient sein.

Wer jetzt immer noch verwirrt ist, kann sich auf YouTube helfen lassen: Erfolgreiche Muser laden hier ausführliche HowTos mit Profi-Tipps hoch (und erreichen damit ebenfalls Millionen Klicks) 😉

Und noch ein Kuriosum am Rande: Die Zielgruppe ist so jung, dass es eine offizielle Hilfeseite für überforderte Eltern gibt, die das Wichtigste zum Thema Datenschutz auf musical.ly erklärt. Dann verstehen Eltern zwar immer noch nicht so genau, was ihre Kinder da tun, können aber ein wenig helfen und vermutlich besser schlafen. Dafür geben wir einen Daumen hoch!

Kurz zusammengefasst heißt das: musical.ly ist ein soziales Netzwerk, dass mindestens so schnell wächst wie seine jungen Nutzer. Dahinter steht ein Unternehmen, dass sehr gut zu verstehen scheint, wie seine Zielgruppe tickt, ohne dabei bemutternd zu wirken. Junge Menschen mit Potenzial auf einem Netzwerk mit Potenzial – man darf gespannt sein, wohin sich beide entwickeln.

 

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About the Author

Katharina Stoll
Katharina Stoll Katharina Stoll studierte Germanistik und English Studies an der Goethe-Universität Frankfurt. Während des Studiums sammelte sie mehrjährige PR-Erfahrung in der Spielwarenbranche und entdeckte die Welt der Kommunikation für sich. Seit 2015 unterstützt sie das Team von impact im Online- und Social-Media-Bereich.

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