2. Dezember 2015 Robert Leonhardt

#Appgefahren: Instagram – Stories in Serie statt Kampagnen-Blockbuster

Storytelling über Bilder

„Bilder sagen mehr als tausend Worte“, dieses Zitat stammt angeblich von Paul Julius Freiherr von Reuter, dem Gründer der heute in London ansässigen Nachrichtenagentur Reuters. Auch jetzt, mehr als hundert Jahre nach dem Tod des Unternehmers findet das Sprichwort häufig Gebrauch. Instagram, der wohl bekannteste Online-Dienst zum Teilen von Fotos, macht sich die Metapher, dass Bilder gegenüber ausschließlichem Text einen Mehrwert haben, zu Nutzen. Selbstverständlich steht nicht nur Instagram unter diesem Motto, doch versteht es das Kalifornische Unternehmen durch Fotos und Videos im Zusammenspiel mit Bildbeschreibungen wie kaum ein anderer Online-Service privaten Nutzern und Firmen eine Plattform zu bieten, die das Storytelling neu definiert.

Gründe für Unternehmen Instagram zu nutzen

Die Gründe für Unternehmen Instagram zu nutzen sind vielfältig: Neben den auch in Deutschland sukzessive ansteigenden Nutzerzahlen sowie dem zentralen Merkmal Visual Content – machen Faktoren wie ein nicht gefilterter Instagram Feed, Interaktivität durch Hashtags oder ein hoher Streufaktor den Kommunikationskanal interessant und zu einer großen Chance.

Instagram: Nutzerzahlen in Deutschland

Instagram ist in Deutschland auf dem Vormarsch – und bislang vornehmlich jung sowie überwiegend weiblich. Das bestätigen Zahlen der Hutter Consult GmbH, die sich aus Daten des Facebook Ads Managers ergeben haben. 4,3 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Instagram. 53 Prozent davon sind Frauen, 47 Prozent Männer. Der größte Anteil, nämlich 35 Prozent sind 19 Jahre alt und jünger. Zwischen 20 und 24 Jahre alt sind 25 Prozent der User. Die 25- bis 29-Jährigen Nutzer machen 15 Prozent der Community aus. Über 30-Jährige sind mit 25 Prozent bei den deutschen Instagram Nutzern dabei.

Facebook hat in Deutschland 28 Millionen Nutzer – noch ist die Zahl wesentlich höher, doch Instagram wächst.

Reichweite von Instagram in Deutschland aus dem Herbst 2015

Visual Content

Das zentrale Merkmal und die herausragende Stärke von Instagram ist der Visual Content. Jeder Nutzer, jedes Unternehmen kann durch starke Bilder zu einem bestimmten Thema, die regelmäßig veröffentlicht werden eine Bindung zur Community erzeugen, die in den Sozialen Medien nur schwer zu toppen ist. Verbunden mit Authentizität entsteht Storytelling vom feinsten. Neben US-amerikanischen Prominenten wie Taylor Swift, die mehr als 50 Millionen Abonnenten ihr eigen nennen darf, führen aus deutscher Sicht vor allem Fußballer wie Mesut Özil mit 4,4 Millionen beziehungsweise Mario Götze mit 4,3 Millionen Abonnenten die Ranglisten an. Auch die Abonnenten-Zahlen von Firmen wachsen. Bei den deutschen Unternehmen glänzt zum Beispiel Mercedes Benz mit einem englischsprachigen Account, der 4,6 Millionen Abonnenten zählt sowie einem Kanal für den deutsch Raum, der 268.000 Follower hat. Zum Vergleich: dm Deutschland hat eine Community von 429.000 Personen.

Instagram-Feed wird nicht gefiltert

Ein weiterer Vorteil des Sozialen Mediums – der Feed wird nicht gefiltert. Alle Beiträge, jeglicher Unternehmen oder Personen denen man folgt, werden angezeigt. Wenn eine Geschichte wirklich interessant ist, findet sie somit über kurz oder lang ihre Rezipienten.

Interaktivität via Hashtags

Hashtags sind nichts Neues – bei Instagram bekommen sie aber eine neue Qualität, die zu einer sehr großen Interaktivität mit der Community und darüber hinaus führt. Viel hilft viel – das trifft bei dem Online-Dienst tatsächlich zu. Bis zu 30 Hashtags kann jeder Account unter ein Foto setzen – natürlich sollten die Hashtags auch zum Foto und der damit verbundenen Story passen – wie wichtig das für eine erhöhte Interaktionsrate ist, hat mein Kollege Stefan Watzinger in einem seiner vorherigen Blog-Beiträge bereits erklärt.

Streufaktor

Auch der Streufaktor bei Instagram ist hoch – der Dienst geht über die eigenen Grenzen hinaus. Hochgeladene Bilder können ganz einfach über Facbook, Tumblr, Flickr oder Twitter geteilt werden. Das kann direkt während des Hochladens – oder zu einem anderen beliebigen Zeitpunkt gemacht werden. So werden auch nicht-Instagram-User auf das jeweilige Thema aufmerksam.

Beispiele von Unternehmen

Content Marketing, Storytelling und Native Advertising – in der Kommunikationsbranche gibt es viele Begriffe, die sich nur schwierig definieren lassen und Experten heiß diskutieren. Anfang November beschrieb Uwe A. Kohrs dieses Problem in Zusammenhang mit dem Thema Content Marketing. Wie dem auch sei, eines steht fest: Content ist und bleibt wichtig. Hierzu gehören Bilder und Text. Durch Instagram können Unternehmen dies bestens umsetzten. Neben visueller und textlicher Stärke ist hier vor allem eins wichtig: Kontinuität, um die Community regelmäßig einzubeziehen.

Best Practice: Mercedes Benz

Auch wenn die deutsche Automobilindustrie durch den VW-Abgasskandal in den letzten Wochen und Monaten an Glaubwürdigkeit verloren hat, zeigt ein Unternehmen aus diesem Wirtschaftszweig auf Instagram wie man mit Hilfe von tollen Bildern, Text und Hahstags fortlaufend Geschichten erzählen kann, die authentisch sind.

Im November 2015 hat der englischsprachige Instagram-Account von Mercedes Benz 3,7 Millionen Abonnenten und mehr als fünf Tausend hochgeladene Beiträge. Täglich werden auf das Unternehmens-Profil mehrere neue Bilder gestellt und Geschichten erzählt. Aktuell nimmt der schwäbische Weltkonzern seine Community zum Beispiel auf eine Reise durch Herbstlandschaften mit – weltweit sehen Instagramer Mercedes-Benz-Modelle in verschiedenen Umgebungen – virtuell wird man zum Globetrotter. Ist man am Montag noch in Bayern, geht die Reise ein paar Tage später an die US-Ostküste – stets begleitet von einem Vehikel der Stuttgarter. Insbesondere Abonnenten des Kanals, die Fotos dieser Art täglich sehen, werden in die kleinen Geschichten des Fahrzeugherstellers hineingezogen.

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Best Practice: #DarbovenDerby

Ein weiteres Beispiel wie man reichweitenstark durch Instagram Aufmerksamkeit erzeugen kann, war die von uns begleitete J.J. Darboven Social-Wall beim 86. Deutschen Spring- und Dressurderby in Hamburg. Hier kam insbesondere die Interaktivität durch Hashtags zum Tragen – begleitet von persönlichen Momenten der Besucher. Rund um das Turnier wurden Reitsportfans dazu aufgerufen ihre Selfies vor und während des Derbys unter #DarbovenDerby in den Sozialen Medien zu posten. Die Fotos erschienen vor Ort auf einer Social Wall – als Belohnung für die Selfies gab es einen IDEE Kaffee. Dabei nutzten die Selfie-Jäger hauptsächlich Instagram. Die aufmerksamkeitsstarke Aktion begeisterte somit offline und online.

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Man kann also festhalten, durch Instagram stehen sich Marken und Konsumenten sehr nah. Die Foto-Sharing-App lebt von ihrer Flexibilität. Der Vormarsch des Online-Dienstes wird nur der Anfang sein.

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