9. Februar 2015 Stefan Watzinger

Was einen Internet-Troll antreibt und wie man am besten mit virtuellen Störenfrieden umgeht

Oder: Don't feed the trolls. Oder gib ihnen Fisch.
Bild von Simplicius via Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Don’t feed the Trolls. 

Im Netzjargon bezeichnet der Begriff „Troll“ nicht irgendwelche Fabelwesen aus der nordischen Mythologie, sondern User, die fortwährend versuchen die Kommunikation auf Online-Plattformen zu torpedieren. Der Internet-Troll verfasst dabei gezielt Beiträge, mit denen er andere User von Communities oder Facebook-Seiten provozieren möchte. Der Troll kennt dabei nur ein Ziel: Er will Aufmerksamkeit und Reaktionen von anderen Usern erhalten.

Doch was treibt einen Troll an? 

Untersuchungen über dieses Phänomen gibt es bereits seit den 90ern – aus dieser Zeit stammt auch der Begriff des „trolling“, der ursprünglich eine Methode aus der Fischerei beschreibt, bei dem ein Köder so lange durch das Wasser gezogen wird, bis ein Fisch anbeißt. Übertragen auf den Internet-Troll: Er postet so lange provokante Beiträge, bis ein User beginnt, mit dem Troll zu diskutieren. Es ist dabei vor allem die Anonymität des Internets, die das Trollen begünstigt: Auf der einen Seite kann der Troll  im Netz völlig anonym agieren oder zumindest seine Identität verschleiern – auf der anderen Seite kommuniziert der Troll ebenfalls mit gefühlt anonymen Gesprächspartnern. Anonymität bedeutet dabei übrigens nicht zwingend, dass man unter Pseudonym oder mit einem Fake-Account agiert. Trolle auf Facebook agieren zum Teil mit echter Identität und verlassen sich auf die gefühlte Distanz zwischen Troll und Gesprächspartner. Ein Hauch von Milgram-Experiment also. Die Gemengelage aus Abstand zwischen den Gesprächspartnern und einem Gefühl der Sicherheit durch die eigene Anonymität führt dann zu einem Sinken der Hemmschwelle – der Troll fühlt sich unangreifbar und „tobt sich aus“. Im schlimmsten Fall hat der Troll Spaß an der Diskussion und sieht diese als Spiel oder Experiment an und verfeinert seine Methoden. Er identifiziert – bewusst oder unbewusst – immer bessere „Köder“, die er der Community vorwerfen kann und labt sich an den Reaktionen.

Die richtige Gegenstrategie 

Für den Community Manager ist der Umgang mit Trollen pain in the ass. Allein die Einordnung der Intention eines Posts kann eine echte Herausforderung darstellen: Handelt es sich um einen „echten“ Troll-Post? Ist der Post vielleicht doch ernst gemeint? Oder ist der Post bewusst sarkastisch geschrieben? Und wenn man nun von einem Troll-Post ausgehen muss, stellt sich immer noch die Frage, was man nun tun sollte. Löschen? Kommentieren? Ignorieren?

So heterogen die Gründe und Ursachen für Trolling sind, so unterschiedlich sind auch die Trolle. Allerdings gilt für alle: Der größte Fehler ist, sich auf Diskussionen einzulassen. Entsprechend gibt es einen ganz simplen Weg, der – gepaart mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung – recht gut funktioniert: Ignorieren. Don’t feed the trolls! Denn beißt kein User an, verliert der Troll recht schnell die Lust und postet irgendwann auch nicht mehr.

Auch loyale User, die eine gewisse Erfahrung in Internet-basierten Diskussionen haben, können Frühwarnsystem und Firewall zugleich sein. Bei Posts, die sich extrem weit vom Thema entfernen genügt es manchmal, wenn andere User den Troll darauf hinweisen, dass er mit seiner Provokation fehl am Platz ist. In Newsgroups und Foren hat es sich zudem etabliert, auf einen entsprechenden Post mit einem Fisch in ASCII-Art (z.B. ><((((*> ) zu reagieren um so andere User auf einen Trollpost hinzuweisen und dem Troll klar zu machen: „Wir wissen, was du vor hast und reagieren nicht“.

Ansonsten hilft eine gewisse Null-Toleranz-Politik und man wirft die Trolle rigoros raus und löscht ihre Beiträge – sofern das möglich ist. Aber: Bitte, bitte nicht auf Reaktionen einlassen und aufkeimende Sinnlos-Diskussionen im Zweifel lieber zu früh unterbrechen als zu spät.

Infografik „Trolls are the best“

Einen Überblick über das Troll-Phänomen gibt die Infografik „Trolls are the best“ von bestpsychologyschoolsonline.com.

…und wenn gar nichts mehr hilft, einfach aussitzen und diesen Song summen:

Bild von Simplicius via Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

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About the Author

Stefan Watzinger
Stefan Watzinger Stefan Watzinger studierte Biologie an der Universität Heidelberg und wagte nach seinem Diplom den Quereinstieg in die Bereiche Kommunikation und Marketing. Seit 2009 ist er als PR-Berater bei der impact Agentur für Kommunikation GmbH tätig. Als Senior-Berater leitet er dort die Bereiche Neugeschäft, Konzeption und Social Media.

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