11. September 2014 Esther Packullat

impact #Appgefahren: Mit TV SMILES für’s Werbung-Schauen und Interaktion belohnt werden

Brainwashing today: Ein Selbsttest

Jeder kennt das System von Bonus- und Kundenkarten: sammelt man genug Punkte, wird man von Unternehmen als treuer Kunde meist mit einer Prämie belohnt. Die Second-Screen App „TV SMILES“ behauptet von sich selbst weltweit das „erste Bonusprogramm für TV-Werbung“ zu sein. Sie nutzt die Medien-Nutzung auf einem „zweiten Bildschirm“ (second screen), denn immer häufiger wird beim Fernsehen „nebenbei“ mit dem Tablet oder Smartphone gespielt. Auf der Website heißt es: „Die TV SMILES App wurde bereits über eine Million Mal heruntergeladen und zählt mit über 50.000 Fünf-Sterne Bewertungen zu den am meisten bewerteten Apps in Deutschland.“

Auch mit Quiz-Fragen zu Marken lassen sich TV SMILES verdienen.

Auch mit Quiz-Fragen zu Marken lassen sich TV SMILES verdienen.

Die TV SMILES App kann in allen App Stores kostenlos heruntergeladen werden. Das Prinzip ist simpel: Schaut man sich Werbung im TV an, erkennt die App per Audiosignal, welcher Spot gerade geschaut wird. Das Mikrofon des Smartphones identifiziert den Spot und gleicht ihn mit der Datenbank ab. Zappt man in der Werbepause also nicht weg, wird man mit Bonuspunkten, so genannten „TV SMILES“ von der App fürs Dranbleiben belohnt. Gesucht werden allerdings immer nur bestimmte einzelne Spots, also nicht jede Werbepause wirft SMILES ab.

Außerdem ermöglichen Spiele und Quizze das Sammeln von Punkten durch Interaktion. Auch bei dabei dreht sich alles rund um die Themen „Werbung“, „TV“ und „Marken“. So sollen beispielsweise Logos oder Testimonials erkannt werden oder Fragen zu TV-Serien müssen beantwortet werden. Sammelt man genug SMILES, kann man diese entweder gegen Sachprämien oder Gutscheine eintauschen. Für 200 Punkte gibt es zum Beispiel schon einen 3 Euro Gutschein für Lieferdienste, für 1500 Punkte einen amazon-Gutschein. Bei 59.000 soll es sogar ein iPhone geben. Für 75.000 SMILES verspricht die App gar eine Weltreise.

Lohnt sich das? Suchtfaktor, aber unerreichbare Prämien
Hört sich spannend an, doch wie viele Stunden und Tage muss man sammeln, um überhaupt an eine anständige Prämie zu gelangen? Computerbild meint „Wer ein iPhone 5c abgreifen will, muss fast 20.000 Fragen beantworten – da sind schon echte Werbe-Junkies gefragt.“ Ein iPhone oder eine Weltreise müssen es ja nicht gleich sein, mein Ziel ist erstmal ein 10 Euro Gutschein. Und auch dafür muss man schon einiges an Zeit aufbringen.

Das Prinzip scheint bei mir als Nutzer aber aufzugehen. Ich entwickele einen gewissen Ehrgeiz und in der Werbepause wird mein Smartphone auf Spoterkennung geschaltet (zum Leidwesen meiner Mitschauer), zwischendrin werden fleißig Fragen beantwortet. Die Aufmachung der App überzeugt und die Spiele sind unterhaltsam gestaltet. Jeden Tag erhält man neue „Spielkarten“ für die es unterschiedlich viele TV SMILES gibt. Nach circa 2 ½ Monaten habe ich mir mühsam einen 10 Euro Gutschein für 10 Euro erarbeitet. Das Verfahren die Prämie einzulösen ist fast ebenso mühsam. An mehreren Stellen muss man seine Daten hinterlassen, automatisierte Mails müssen bestätigt werden und man wartet ein wenig bis der Gutscheincode im Postfach landet.

Für einen erkannten Werbespot gibt es auf dieser Spielekarte jeweils einen Punkt.

Für einen erkannten Werbespot gibt es auf dieser Spielekarte jeweils einen Punkt.

Doch der Gründer und Geschäftsführer von TV SMILES, Frederic Westerberg, scheint recht zu haben, wenn er sagt: „Die Leute spielen fünf bis sechs Stunden, um einen 5 Euro Gutschein von H&M zu bekommen“. Die Bereitschaft scheint da zu sein. Dennoch: Das Punktesystem steht aber in keinem Verhältnis zu den versprochenen Prämien. An die richtig großen Prämien zu gelangen ist fast unmöglich. Nicht nur wegen der geringen Anzahl, die es für jeden gefunden Spot und die Spiele gibt. Die TV SMILES sind insgesamt auch nur 12 Monate gültig. Wer die App 6 Monate gar nicht nutzt, dessen Punkte verfallen. Eine Weltreise ist also auch mit der TV SMILES App weit weg.

Und die werbenden Unternehmen?
In Zeiten in denen Werbung immer mehr personalisiert wird und online mit jedem Klick mein Kaufverhalten geprüft wird, ist eigentlich klar, wofür die App wohl in erster Linie von den teilnehmenden Unternehmen und Marken genutzt wird. Ein wenig mulmig ist einem doch zu Mute, wenn das Smartphone einem beim TV-Schauen „abhört“ und erkennt, was ich auf dem heimischen Sofa gerade so schaue. Dennoch fasziniert das Geschäftsmodell und die Werbe-Idee hinter der App. Nicht umsonst haben die Gründer schon einige Startup-Preise einheimsen können, zum Beispiel den dmexco Start-Up Wettbewerb.

TVSMILES erhält von seinen Werbekunden Geld für die Erstellung der Spielkarten. Der Vermarkter „Seven One Media“ betont gegenüber Unternehmen auf der Website:
die App „ermöglicht direkte Interaktion mit dem Zuschauer aus dem TV-Spot und schließt damit die Lücke zwischen TV-Werbung, digitalem Marketing und Point-of-Sale“
„TVSMILES steigert Awareness, Recall und Kaufabsicht bei Zuschauern“

Besonders im Dialogmarketing sei die App optimal zur „Leadgenerierung“ sowie „Vertragsabschluss, Sonderangebot, Rabatt, Coupon, Probe, Abo oder Newsletter-Registrierung“ heißt es in der Präsentation von Seven One Media. Inwieweit ein User, der eigentlich auf SMILES bzw. Prämien aus ist, wirklich einen Vertrag abschließt, weil er auf die Website des Unternehmens weitergeleitet wird und dafür Punkte sammelt, sei dahingestellt. Awareness und Engagement scheinen den teilnehmenden Marken aber gesichert, denn ohne sich mit Marke, Film oder Unternehmen zu beschäftigen, wird der Nutzer gar nicht erst belohnt. Punkte gibt es nur für Engagement und Interaktion.

Und natürlich auch die Marktforschung kommt nicht zu kurz, in den technischen Spezifikationen für Unternehmen wird aufgezählt, welche Schritte der User von den werbenden Marken alle getrackt werden. Also auch hier, wie bei allen online- bzw. mobile-basierten Anwendungen heißt es in gewissem Maße: „The App is watching you“.

Insgesamt ist diese Art des Werbens eine spannende Entwicklung der „Second-Screen-Nutzung“. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Trend weiterentwickelt und inwieweit in Zukunft die Mediennutzung sich auch auf andere Werbemodelle auswirkt.

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Kommentare (4)

  1. Harald Kölsch

    Je älter ich werde je mehr zweifle ich an der Menschheit.
    Wie viel unnötigen Krempel sollen wir denn noch konsumieren?
    Vor jeder Prostituierten habe ich mehr Respekt als vor diesen
    Werbefritzen,die sich für Alles verkaufen das Profit bringt.
    Ob die Umwelt und die Menschen in den armen Ländern zugrunde gehen oder nicht.

  2. manfred

    Brainwashing? Man kann auch ohne zusätzlich tv werbung zu schauen smiles sammeln, ich habe nur durch die normalen quizfragen in 2 wochen einen 10€ amazon gutschein erspielt und es hat mir genauso viel spaß gemacht wie andere quiz-apps.

    • Esther Packullat

      Lieber Manfred,
      das stimmt natürlich. Man muss nicht immer aktiv TV-Werbung schauen, mit Werbung oder Marken muss man sich aber auch bei den „normalen Quizfragen“ immer auseinandersetzen – sei es bei Fragen rund um Logo-Erkennung oder anderen lustigen Spielereien. Spaß kann es ja deshalb trotzdem machen 🙂

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