28. August 2014 Sandra Diefenbach

Story-Bumping – wenn Facebook bestimmt, was „wichtig“ ist

Newsfeed als Chronik versus veraltete Statusmeldungen

Gefühlt zeigt Facebook seinen Usern, was es will. Auffällig ist vor allem, wie oft man im News-Feed veraltete Posts seiner Freunde angezeigt bekommt – und nicht nur aktuelle Beiträge. Dabei kann es so einfach sein – wie man bei Twitter sieht: Dort werden alle Tweets chronologisch angezeigt. Klar: Facebook ist kein Microblogging-Dienst wie Twitter, in dem die User über das aktuelle Weltgeschehen in kurzen Beiträgen informieren. Dennoch stellt sich die Frage: Warum zeigt uns Facebook veraltete Statusmeldungen?

Story-Bumping bringt alte Statusmeldungen nach oben

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Im letzten Sommer wurde der Facebook News-Feed überarbeitet. Ziel war damals, den „richtigen Inhalt den richtigen Usern zur richtigen Zeit“ anzuzeigen. Denn niemand soll verpassen, was  (nach Meinung von Facebook?) wichtig ist. Mit dem Story-Bumping werden also alte Posts, die beispielsweise von Freunden viele Likes oder Kommentare bekommen haben, in der Timeline wieder nach oben gezogen. Zudem reagiert der Algorithmus auf das Verhalten Facebook-Nutzer, wie oft mit welchen Freunden interagiert wird, die Beiträge posten. Es wird also geschaut, was einen interessiert und welche Posts daher interessant für den Nutzer sein könnten. Also Meldungen, die für den User von Bedeutung sind, weil viele diese Beiträge kommentieren oder liken.

Da viele User nicht weit genug nach unten scrollen, um auch ältere Beiträge zu lesen, will der neue Algorithmus ermöglichen, dass auch ältere Nachrichten gelesen werden. Laut eines Tests von Facebook können durch das Story-Bumping jetzt  70 Prozent aller Beiträge gelesen werden, wohingegen es zuvor gerade mal 57 Prozent waren, die von den Usern im News-Feed ohne Story-Bumping gelesen wurden.

… when we stop ranking and instead show posts in chronological order, the number of stories people read and the likes and comments they make decrease. (Facebook)

News-Feed Optimierung leicht gemacht

Wen das scheinbar willkürliche Hoch- und Runterschieben von News im eigenen Newsfeed nervt, der kann seinen eigenen News-Feed manuell optimieren. Einfach eine Liste erstellen, mit den Freunden und Seiten, deren Meldungen man unbedingt erhalten möchte. Diese Liste kann in der linken Spalte der Facebook-Seite unter Freunde und dann auf „Mehr“ angelegt werden. So erhält man einen guten Überblick über die wichtigen Meldungen von Freunden. Zudem sollten die Angaben zu den „Gefällt-mir“-Seiten nochmals überprüft werden, da man möglicherweise nicht mehr von allen Seiten die Meldungen angezeigt bekommen möchte. Zudem können Meldungen von Freunden verborgen werden, oder auch hervorgehoben werden,  um auch wirklich nur die Beiträge zu erhalten, die man lesen möchte.

HowTo: Wie man manuell den News-Feed optimieren kann

HowTo: Wie man manuell den News-Feed optimieren kann

Es bleibt also trotzdem kompliziert und zeitaufwändig, seinen News-Feed zu bearbeiten, sodass man wirklich aktuelle Meldungen angezeigt bekommt. Fakt ist: Der News-Feed bei Facebook ist keine rein chronologische Darstellung von Meldungen und stellt demnach nicht mehr als einen kleinen Überblick über das, was seine Freunde aktuell machen dar. Gefährlich wird dies, wenn der Facebook-Nutzer durch die Facebook-Algorithmen vorgesetzt bekommt was ihm angezeigt wird – und Facebook so bestimmt, was er lesen soll und was nicht. Wie weit dies gehen kann, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2012, in der Facebook den News-Feed von über 300.000 Facebook-Nutzern gezielt manipuliert hatte – ohne diese darüber zu informieren! In dieser im Sommer 2014 veröffentlichten Studie wurden ausgewählten Usern nur negative Statusmeldungen der Freunde an angezeigt, um zu beobachten, ob solche Statusmeldungen den Gemütszustand der so manipulierten User beeinflusst. Dabei stellte sich heraus, dass sich Emotionen auch ohne direkten persönlichen Kontakt in Online-Netzwerken ausbreiten. Die Facebook-User, deren Timeline fast nur negative Statusmeldungen enthielten, posteten selbst eher negative Meldungen, statt positiver. Umgekehrt konnte derselbe Effekt beobachtet werden, dass die User mit mehr positiven Meldungen, selbst mehr positive Nachrichten teilten. Auch wenn die Auswirkungen nur sehr gering ausgefallen sind, seien auf Grund der hohen Facebook-Mitgliedzahlen dennoch potentiell viele Nutzer betroffen.

Nicht nur seit dieser Studie ist klar: Facebook verändert das Informationsverhalten – und gewinnt einen immer stärken Einfluss auf seine User. Es ist jedem selbst überlassen, wie viel Aufmerksamkeit er seinem News-Feed schenkt – dennoch könnte es sich unter Umständen auszahlen, diesen so zu optimieren, dass man tatsächlich das angezeigt bekommt, was man selbst will. Und eben nicht das, was Facebook für „wichtig“ oder „sinnvoll“ erachtet. Und wer weiß – vielleicht sind wir alle ja irgendwie Teilnehmer einer großen Studie von Facebook oder anderer Organisationen? Snowden lässt grüßen…

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