13. August 2014 Sandra Diefenbach

Neues Geschäftsmodell: Shitstorm-Versicherungen

Wie sich Unternehmen gegen finanzielle Folgen eines Shitstorms absichern wollen

Begabte Pianisten lassen ihre Finger versichern, Sänger ihre Stimmen und Fußballer ihre Beine. An dieser Stelle sollten die beachtlichen Summen auch mal erwähnt werden. Denn wer würde denken, dass Lang Lang seine zehn Finger für etwa 30 Millionen Euro versichert hat und Christiano Ronaldos Beine unglaubliche 206 Millionen Euro wert sind? Das stellt selbst Heidi Klum in den Schatten: Ihr rechtes Bein ist nur schlappe 750.000 Euro wert und das Linke sogar nur 630.000 Euro, da der Gutachter dort eine Narbe entdeckt hat. Was hier nicht vergessen werden darf, ist der wohl am teuersten versicherte Hintern der Welt: Jennifer Lopez soll angeblich 21 Millionen Euro bekommen, falls ihrem besten Stück etwas zustößt!

Shitstorm - jetzt auch im Duden!

Shitstorm – jetzt auch im Duden!

Beruhigend ist es auf jeden Fall zu wissen, dass nichts unmöglich ist und man alles versichern kann, was einem lieb ist. Die Stars versichern zu enormen Preisen das, womit sie ihr Geld verdienen. Denn was wäre Christiano Ronaldo mit nur einem Bein? Seine Karriere wäre beendet und Real Madrid müsste sich nach einem neuen Spielemacher umschauen!

Und was ist den Unternehmen lieb? Neben qualitativ hochwertigen Produkten  und zufriedenen Kunden, natürlich ein gutes Image in den Köpfen der Menschen. Branchenstudien zufolge fürchten sich Unternehmen daher sehr vor Reputationsrisiken. Ist der Ruf eines Unternehmens ruiniert, zieht dies Umsatzeinbußen mit sich und demnach rücklaufende Verkaufszahlen. Dies kann das Unternehmen sogar in den Ruin treiben. Die Künstler und Sportler versichern sich also, damit sie im „worst case“ abgesichert sind, falls sie berufsunfähig werden. Diese Angst teilen nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen. Sie wollen gegen Imageschäden, die durch Shitstorms ausgelöst werden, versichert sein. Gerade in der heutigen digitalen Welt mit Facebook, Twitter & Co. werden Nachrichten in Sekundenschnelle geteilt und an ein großes Publikum verbreitet. Der Ruf eines Unternehmens kann so schnell nachhaltig geschädigt werden.

Jetzt wurde bekannt, dass Modelle entwickelt werden, die Unternehmen vor Imageschäden schützen sollen. Denn ein jedes Horror-Szenario eines Unternehmens ist es, Mittelpunkt und Gegenstand eines Shitstorms im Netz zu werden. Denn eine solche Protestwelle  kann das Geschäft des Unternehmens nachhaltig schädigen und nicht zuletzt einen immensen Reputationsverlust herbeirufen. Bekannte Fälle gibt es wie Sand am Meer. Zuletzt machte der Kleidungshersteller „Primark“ negativ auf sich aufmerksam, da Hilferufe der Näher in die Kleidungsstücke eingenäht waren. Im Netz und in den Medien war der Modehersteller daher in Verruf geraten. Schockierte Internet-User meldeten sich via Social Media zu Wort und kommentierten die Missstände. Besonders kritisch wird ein Shitstorm, wenn die Presse beginnt, negativ über dieses Unternehmen zu berichten und der Shitstorm nicht mehr nur im Netz, sondern auch in den Medien stattfindet. Somit erlangt dieser noch mehr Aufmerksamkeit und erreicht noch mehr Menschen. Ein wirklicher Albtraum für jedes Unternehmen.

Die Allianz und Munich Re haben Policen gegen Image-Rückschläge und ihre Folgen für Unternehmen entwickelt. Der Rückversicherer Munich Re legt seinen Fokus hierbei auf den Umsatz- und Gewinneinbruch, der entstehen kann nach einem Shitstorm. Die Allianz hingegen übernimmt die Kosten der Krisenkommunikation und hilft seinen Kunden, solche Risiken besser zu managen.

Versicherungen gegen Shitstorms abzuschließen, sei laut Munich-Re-Experte Andreas Gebler ein Topthema für seine Kunden. Die Zielgruppe für solche Versicherungen sind vor allem Konsumgüterhersteller wie beispielsweise für Spielzeuge, Lebensmittel oder Kosmetik. Diese spüren direkt,  wenn der Verbraucher aufgrund schlechter Presse nicht mehr hinter dem Unternehmen steht. Doch neben der Absicherung sollen die Unternehmen laut dem Chef der Unternehmensberatung Corporate Trust, Christian Schaaf, auch Strategien für den richtigen Umgang mit Krisen entwickeln. Daher sollte das Geschehen in sozialen Netzwerken und Plattformen  im Auge behalten werden. Fehler sollten im Ernstfall direkt eingestanden werden und direkt Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Jetzt kann also nicht mehr nur J.Lo ihren Allerwertesten versichern, sondern auch jedes Unternehmen: nämlich eine Absicherung gegen mögliche Imageschäden!

Getagged mit ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.