Greenwashing – die selbst kreierte Krise (Update)

Oder: wenn Unternehmen ihre Problemzonen mit "grünem Anstrich" kaschieren wollen

Der Absatz von Bio- und Fair-Trade-Produkten steigt deutlich. Laut dem Verein TransFair e.V.: „kauften die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher im Jahr 2012 Fairtrade-zertifizierte Produkte im Wert von rund einer halben Milliarden Euro, dies entspricht einer Steigerung um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr“. Vor einigen Jahren noch eine Randerscheinung in den Kreisen einer Öko-Subkultur, ist das große Wort der Nachhaltigkeit heute in aller Munde. Unternehmen haben das Potential längst erkannt, setzen auf ein „grünes Image“ und wetteifern mit gutmenschlichen Versprechen und naturverbundener Bildsprache um die Gunst des umdenkenden Verbrauchers. Doch dieses Thema hat es in sich. Es ist nicht damit getan auf den Zug aufzuspringen. Die bloße Bekundung „dabei zu sein“ birgt immense Risiken. Ein Blick auf Korruptionsskandale, Umweltkatastrophen und irreführende Werbeaussagen zeigt, ein „grüner Anstrich“ ohne Fakten kann schnell zur Krise führen.

3890162979_aef0b6da70_z

Weiterlesen

Das Versagen von Politik und öffentlichen Institutionen im Fall EHEC

Oder: Wenn mangelhafte Krisenkommunikation die Aufklärung einer Epidemie verhindert

Fragt man heute einen Verbraucher, ob er sich noch an EHEC erinnert, bekommt man eine ganze Reihe widersprüchlicher Antworten. War es der Salat, oder doch Gurken aus Spanien – oder irgendwelche Soja-Sprossen? Die Verwirrung rund um die durch den EHEC-Keim ausgelöste HUS-Epidemie von 2011 ist groß. Insgesamt gab es im Verlauf der Epidemie über 4.000 von EHEC ausgelöste Krankheitsfälle. Was viele vielleicht nur am Rande mitbekommen haben: Bis heute ist die tatsächliche Ursache der Krankheitswelle, in deren Folge über 800 Menschen am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten – und über 50 in Folge der Erkrankung starben – unbekannt.

In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaus-Hygiene heißt es:

„Warum es in Deutschland zu einem der größten EHEC-Ausbrüche und dem HUS-Ausbruch kommen konnte, ist bislang letztlich als ungeklärt zu betrachten.“

Also doch weder Gurken noch Sprossen? Blickt man auf die Krisenkommunikation im Jahre 2011 zurück, fallen ein paar gravierende Fehler auf. Insgesamt wirkt das Verhalten von Politik, Wissenschaft, Bund und Ländern wenig orchestriert und strategisch geplant. Unterschiedliche Warnungen, Expertenmeinungen und die immer wechselnden Ursachen führten dereinst zu einer massiven Verunsicherung der Verbraucher.

Weiterlesen

Dark Sites als Instrument des Krisenmanagements

Warum es sinnvoll sein kann, Kritik auf spezialisierten Websites aufzufangen

Die sozialen Medien, Facebook, Blogs und Co können durch ihre Viralität Krisen mehr denn je eine unberechenbare Eigendynamik verleihen. Besonders wenn es um Produkte geht, mit denen der Otto Normalverbraucher tagtäglich in Berührung kommt, wie in der Lebensmittelindustrie. Die Zeiten in denen Kommunikationsexperten in der Öffentlichkeit nur kritische Fragen von Journalisten beantworten mussten sind lange vorbei. Dank dem Internet und der Kommentarfunktion spielt sich auch die Kritik der Kunden oftmals in der Öffentlichkeit ab. Wo früher ein Beschwerdebrief an das Unternehmen oder auch mal an die lokale Zeitung geschrieben wurde, wird heute einfach auf das Facebook-Profil gepostet. Der Aufwand ist geringer, Hemmschwellen niedriger. Die Öffentlichkeiten verlieren an Trennschärfe, beide Seiten wollen transparent, genau, direkt und vor allen Dingen schnell informiert werden – Journalisten ebenso wie Verbraucher.

Nachholbedarf bei Krisen-Vorbeugung in der Lebensmittelbranche
Eine gute Vorbereitung ist dann das beste Mittel, um im Ernstfall schnell genug reagieren zu können und Krisen abzuschwächen oder gar zu verhindern. Denn, Krisenkommunikation beginnt in guten oder zumindest ruhigen Zeiten. In der Lebensmittelbranche verfügen laut einer aktuellen Online-Umfrage der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der AFC Risk & Crisis Consult zwar 60 Prozent der befragten Unternehmen über ein Kommunikationskonzept als Bestandteil ihres Krisenmanagements. Kommunikative Elemente, die der Prävention dienen, sind dagegen weniger etabliert. Hier besteht  erheblicher Nachholbedarf: Nur 36 Prozent können auf Vorlagen für Pressemitteilungen zurückgreifen, 21 Prozent haben FAQ-Kataloge für den Notfall erstellt. Weiterlesen